Berliner Symbolpolitik :
Die endgültige Beruhigung der Friedrichstraße

Von
Mark Siemons
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Wie in einer toten Vorstadt: Die autofreie Friedrichstraße an einem herbstlichen Sonntag
Wie in einer toten Vorstadt: Die autofreie Friedrichstraße an einem herbstlichen SonntagAction Press

Die Berliner Friedrichstraße war früher ein Symbol für großstädtisches Leben. Jetzt will die Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) das Symbol neu besetzen. Eine Ortsbegehung.

Der Flaneur-Feuilletonismus ist aus der Mode gekommen, leider aus guten Gründen. Früher einmal, sagen wir in den Zwanziger- oder auch den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts, reichte es in Berlin, mit einer gewissen Atemlosigkeit Schaufenster, Reklame, Schlagzeilen, Autos und Bettler gleichzeitig zu beschreiben, und schon hatte man ein Bild dieser unglaublich modernen oder auch geschichtsdurchtränkten, auf jeden Fall aber intensiven Gegenwart. Sogar ein leiser Ironiker wie Robert Walser schrieb schon 1909 über die Friedrichstraße, das erklärte Zentrum dieser großstädtischen Aufgeregtheit, Sätze wie diese: „Die Luft bebt und erschrickt von Weltleben. Noch nie, seit sie ist, hat in dieser Straße das Leben aufgehört zu leben.“ In welcher Tonlage aber sollte man die Friedrichstraße von heute beschreiben? Man müsste da wohl ein stilistisches Pendant für so etwas wie das Gegenteil von Atemlosigkeit finden.

FAZ

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