FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);WDR legt Klassiker neu auf :
Lässt sich „Vom Winde verweht“ auch ohne Rassismus erzählen?

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Eine Sklavin als Über-Ich: Scarlett O’Hara (Vivien Leigh) und Mammy (Hattie McDaniel) in der Selznick-Verfilmung von 1939
Eine Sklavin als Über-Ich: Scarlett O’Hara (Vivien Leigh) und Mammy (Hattie McDaniel) in der Selznick-Verfilmung von 1939AP

Das Südstaaten-Epos „Vom Winde verweht“ ist getränkt von rassistischen Stereotypen. Soll man deswegen aufhören, die Geschichte zu erzählen? Ein WDR-Hörspiel wagt die Neuinterpretation – und erzählt aus Sicht einer Sklavin.

Eine seltsame Frucht trägt der Baum in den amerikanischen Südstaaten. Auf den Blättern klebt Blut, an der Wurzel klebt Blut. Und statt nach frischen Magnolien riecht der Baum nach verbranntem Fleisch. So besingt Billie Holiday 1939 in „Strange Fruit“ die Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. Die seltsame Frucht ist ein toter Mann, der an einem Strick am Baum hängt. Der Körper des Schwarzen, von einem rassistischen Mob durch Verstümmlungen und Verbrennung zugerichtet, wird öffentlich zur Schau gestellt. Tausendfach gehörten brutale Lynchmorde nach dem formalen Ende der Sklaverei 1865 zum Alltag in den Südstaaten, mitunter auch im Rest der wiedervereinten USA.

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