Krieg in der Ukraine : Vom East Village in den Schützengraben

Noch in der Nacht, als ich zurückkam aus New York, mussten wir vor Bachmut in Stellung gehen. Irgendwann war klar, dass wir auf unserer Position vor uns nur noch zehn Mann haben. Ein Erfahrungsbericht.
Ich stehe vorm Hotel und rauche. Gegenüber der Nachtklub Webster Hall und ein Haufen Leute, die sich vorm Eingang drängeln und reinwollen. Davor parkt in filmreifer Manier ein schnittiges Cabriolet, in dem ein schwarzer junger Mann in einem eleganten weißen Anzug sitzt und eine Zigarre raucht. Langsam bläst er den Rauch aus und beobachtet dabei lässig und leicht überheblich die Menge. Auch ich lasse meinen Blick über die Schar schweifen. Das letzte Mal habe ich etwas Ähnliches in einer kleinen Frontstadt im Osten der Ukraine gesehen. Dort standen die Leute allerdings nach humanitärer Hilfe an, eingefallen und gezeichnet von Kummer und sozialem Elend. Hier sehe ich lauter lustige Keith-Haring-Figuren, die nicht wissen, was das ist: Krieg, Massenerschießungen und die animalische Angst vor einer möglichen Besatzung, mit dem die von grundlosem Hass betörten Russen dein Land überziehen. Nein, hier gibt es lustiges, trunkenes Lachen, bunte Kleider, die roten Lichter des Nachtklubs, dichten Marihuana-Dunst und nicht zuletzt den Geist von Freiheit und Unbeschwertheit.
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