Zehn Jahre danach : Plötzlich wollte niemand mehr Charlie sein

Anfangs waren alle entsetzt, doch die Solidarität mit den Ermordeten endete schnell, als Einsatz für die Meinungsfreiheit auf die falsche Bequemlichkeit missverstandener Toleranz stieß.
Vor zehn Jahren, am 7. Januar 2015, fand am späten Vormittag in der Rue Nicolas-Appert in Paris ein Massaker statt. Zwei bewaffnete Maskierte erzwangen sich Zutritt zu den Räumen der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“, indem sie einen Wartungstechniker kurzerhand erschossen und sich von einer verängstigten Mitarbeiterin des Blattes die Tür öffnen ließen. Binnen zwei Minuten ermordeten die Attentäter in der Redaktion zehn weitere Menschen, und ein zwölfter fiel ihnen zum Opfer, als sie die Flucht antraten: ein Polizist, der sich den Mördern in den Weg stellen wollte. Die Nachricht des blutigen Überfalls schockierte die westliche Welt, in muslimischen Staaten gab es dagegen regelrechte Siegesfeiern – dieses Phänomen hat sich vor nicht allzu langer Zeit wiederholt.



