Umstrittene Klassiker :
Ist die Geschichte eine Müllkippe?

Von
Niklas Bender
Lesezeit:
Tapferkeitsmedaillen für Täter: Aufmarsch von Schwarzhemden der „Battaglioni M“ in Rom, Herbst 1942
Tapferkeitsmedaillen für Täter: Aufmarsch von Schwarzhemden der „Battaglioni M“ in Rom, Herbst 1942Picture Alliance

Diese beiden Bücher gehören zu den meistdebattierten italienischen Nachkriegsromanen. Jetzt gibt es Curzio Malapartes „Die Haut“ und Elsa Morantes „La Storia“ in deutschen Neuübersetzungen. Hat es sich gelohnt?

Das buchmessebedingt reiche diesjährige Italien-Programm bietet zwei prominente Neuübersetzungen moderner Klassiker: Curzio Malapartes „Die Haut“ (1949) und Elsa Morantes „La Storia“ (1974). Gemein haben die Romane auf den ersten Blick dreierlei: Beide erzählen vom Zweiten Weltkrieg, beide waren bei Erscheinen ein Skandal, beide lagen bis dato nur in zeitgenössischen Übersetzungen vor. Davon abgesehen könnten sie unterschiedlicher nicht sein: „Die Haut“ erzählt von Neapel nach der Befreiung durch die Amerikaner und malt aus Sicht eines Verbindungsoffiziers ein apokalyptisches Kollektivtableau. „La Storia“ hingegen berichtet das karge Leben der jüdischen Grundschullehrerin Ida und ihres kleinen Sohnes Useppe im Rom der Besatzungs- und Befreiungsjahre, ein nüchtern erfasstes Kernfamilienschicksal, von historischen Daten objektivierend gerahmt. Es handelt sich um zwei Extrempole der an Weltkriegsromanen reichen italienischen Literatur.

FAZ

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