Kim de l'Horizons „Blutbuch“ : Wie Menschen ineinander wurzeln

Gegen das Schweigen der Großeltern: Kim de l’Horizons Debütroman „Blutbuch“ erzählt von einem Vermächtnis und der Suche nach dem eigenen Körper.
Das Kind, um das es geht, ist scheu. Der Natur fühlt es sich näher als den Menschen. Es spricht mit den Kastanien, den Himbeeren, den Bäumen. Es duckt sich vor den lauten Stimmen, die nach ihm rufen, den rauen Händen, es macht sich unsichtbar. „Das Kind weiß: Es darf kein Mann werden.“ Die Liebe seiner Mutter ist riesig, verschlingend groß, aber sie endet dort, wo das Mannsein beginnt und mit ihm die Wut der Mutter über die Ungerechtigkeit des weiblichen Daseins, über ein Leben unter Zwängen. Also läuft das Kind in den Hühnerstall und probiert Hexensprüche aus für das Geschlecht, das einmal zu ihm passen soll.


