„Der kürzeste Tag des Jahres“ von Ursula Dubosarsky : Wo sich alles fügt, fangen die Deutungen erst an

Schreibend die Welt ordnen: Wer an der australischen Jugendbuchautorin Ursula Dubosarsky vorübergeht, verpasst ein schillerndes Werk voller Abgründe. Auch „Der kürzeste Tag des Jahres“ erzählt vom Verschwinden.
Als im vergangenen Jahr der Roman „Nicht jetzt, niemals“ erschien, war das eine mittlere Sensation. Seine Autorin, die 1961 geborene Australierin Ursula Dubosarsky, war zuvor auf dem deutschen Jugendbuchmarkt komplett unbekannt gewesen, obwohl sie in ihrer Heimat bereits einige Bücher für junge Leser veröffentlicht hatte. Doch ihr kühler Roman, der eine Mädchenschulklasse porträtiert, die mit dem plötzlichen Verschwinden ihrer charismatischen Lehrerin fertigwerden muss, setzte inhaltlich wie formal unübersehbar Maßstäbe. Denn Dubosarskys ebenso anspruchsvolle wie abgründige Geschichte lässt am Ende zwei widerstreitende Deutungen des Geschehens zu, so dass die Leser sich entscheiden müssen: Handelt es sich einige Jahre später bei der zufälligen Begegnung der mittlerweile fast erwachsenen Schulklasse mit der Lehrerin um die glückliche Auflösung eines rätselhaften Falls? Oder haben es die Abiturientinnen mit einer Geistererscheinung zu tun?





