Aus Orhan Pamuks Jugend :
Mein Lieblingsplatz ist nun weg

Von
Orhan Pamuk
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Das Marmarameer war traditionell der Erholungsort für die Bewohner Istanbuls. Und für Orhan Pamuk der Platz von Welterkenntnis.
Das Marmarameer war traditionell der Erholungsort für die Bewohner Istanbuls. Und für Orhan Pamuk der Platz von Welterkenntnis.dpa

Mit der Küstenverschandelung geht der Ort der schönsten Jugenderinnerung des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk verloren: ein Wasserbecken am Strand.

1964, als ich zwölf, dreizehn Jahre alt war, verbrachte ich den Sommer in einem Haus am Meer, gut 35 Meilen von Istanbul entfernt. Gern sprang ich über die niedrige Gartenmauer, lief zum Strand und streifte durch die Felsen und freie Flur entlang der Küste, ich liebte es, mich den wunderbaren kleinen Dingen zu widmen, die die unberührte Natur mir darbot. Eines Tages stieß ich auf ein kleines Wasserbecken inmitten der Felsen. Es war kein echtes Becken, vielmehr sickerte zwischen Steinen und Felsen das Meer hinein. Doch gleich einem Becken war es bei einem Umfang von sechs, sieben Metern an die dreißig Zentimeter tief, vor allem lag es geborgen vor dem Angriff der kabbeligen Dünung. Bald darauf entdeckte ich, dass unter der glatten, vollkommen transparenten Oberfläche meines „Beckens“ eine Welt, ja, eine Kultur existierte. Fortan lief ich allein für mich immer wieder dorthin und beobachtete das faszinierende Treiben im durch die Sommerhitze lauen Meereswasser.

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