NS-Täter in der Literatur : Diskretion der Verbrechen

Je mehr über die eigenen Familien erzählt wird, desto schwieriger wird es, die Täterschaft konkret zu machen: Warum sich die deutschsprachige Literatur mit den Monstrositäten des Nationalsozialismus schwertut.
Im Dezember 2022 endete am Landgericht Itzehoe der vielleicht letzte Prozess wegen der Beteiligung an NS-Verbrechen. Die Staatsanwaltschaft warf einer sechsundneunzigjährigen Frau die Beihilfe zum Mord in 11.412 Fällen vor. Von Juni 1943 bis April 1945 war die Angeklagte als Zivilangestellte in der Kommandantur des Konzentrationslagers Stutthof tätig. Sie arbeitete als Schreibkraft und Stenotypistin. Am Ende der Verhandlung sah es das Gericht als erwiesen an, dass sie eine Mitschuld an den im Lager begangenen Massenverbrechen trug. Weil die Angeklagte zum Tatzeitpunkt jünger als zwanzig war, erhielt sie eine Jugendstrafe: zwei Jahre auf Bewährung. Das Urteil ist bis heute nicht rechtskräftig, da die Angeklagte in Revision ging. Am 31. Juli beginnt am Bundesgerichtshof in Leipzig das Verfahren.
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