Kolumne „Bild der Woche“ : Der unheimliche Blick auf die Freiheit

Berlin, im Sommer 1990: Die Mauer steht noch, aber existiert nicht mehr. Das private Leben erobert den Todesstreifen. Normalität, wo keine war. Ein Foto dokumentiert diese vergessene, utopische Übergangszeit.
Berlin ist von Geschichte durchpeitscht. Bloß ist das keine Metapher, sondern Topographie. Die Teilung hatte die Spuren des Weltkrieges für Jahrzehnte konserviert. Bis zum Ende der neunziger Jahre war der Potsdamer Platz ein Loch in der Erde, eine Ödnis in der Mitte der Stadt. Es gibt nun keine Mauer mehr, aber sie hat Narben im Stadtbild zurückgelassen. Diese Spuren sind eine ambivalente Attraktion. Berlin zeigt seine schmerzenden Stellen, zugleich prahlt es damit wie ein Pirat mit seinen großen Narben, als wären sie Zeichen einer abenteuerlichen Erfahrung.





