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Frankfurter Buchmesse : Gesuchter Straftäter will trotz Haftbefehl zur Buchmesse

Frankfurter Buchmesse: Ab dem 9. Oktober startet die Buchmesse. Ob „Mehmet“ auch kommt, um sein Buch vorzustellen, ist noch unklar. Bild: dpa

„Mehmet“ möchte seine Autobiographie auf der Buchmesse vorstellen. Der Ordnungsdezernent plädiert dafür, die Einreise zu verhindern. Und die Buchmesse vermutet dahinter eine „riesige PR-Nummer“.

          Der Frankfurter Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die Einreise des bekannten Serienstraftäters „Mehmet“ aus Istanbul nach Frankfurt zu verhindern. Muhlis Ari, wie der gebürtige Türke mit richtigem Namen heißt, hatte angekündigt, er wolle auf der Buchmesse auftreten, um seine Autobiographie vorzustellen. Sein Anwalt will erreichen, dass der Haftbefehl, der seit gut acht Jahren gegen den heute Neunundzwanzigjährigen besteht, zu diesem Zwecke ausgesetzt wird. Entsprechende Anträge sind bei der Staatsanwaltschaft München, die damals den Haftbefehl beantragt hatte, und der Frankfurter Ausländerbehörde eingegangen.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Frank sagte, er wolle keinen Straftäter auf der bedeutendsten Buchmesse auftreten lassen. Zudem sehe er nicht ein, jemanden, der aus seinen Straftaten Kapital schlagen wolle, auch noch zu unterstützen, indem er billige, dass er einreisen dürfe. Sollte die Einreise aus rechtlichen Gründen nicht verhindert werden können, müsse „Mehmet“ damit rechnen, dass der gegen ihn bestehende Haftbefehl in Frankfurt vollstreckt werde. „Dann kann er seine Lesung gerne abhalten, aber im Gefängnis.“ Die Veranstalter der Messe zeigten sich am Mittwoch verwundert über die Aufregung. „Das ist eine riesige PR-Nummer des Verlags“, sagte Buchmessen-Sprecherin Katja Böhne.

          Dezernent will Visum für Ari verhindern

          Der „Fall Mehmet“ hatte seinerzeit eine breite Debatte über Jugend- und Ausländerkriminalität ausgelöst. Ari, der in München geboren wurde, aber die türkische Staatsangehörigkeit besitzt, hatte bis 1998, zu dem Jahr, in dem er 14 Jahre alt wurde, mehr als 60 Straftaten verübt, darunter auch schwere Körperverletzung, Diebstähle, Erpressung und Nötigung. Im Oktober 1998 wurde er vom Amtsgericht München zu einer Haftstrafe von 12 Monaten verurteilt. Bevor er diese Strafe antreten konnte, wurde er abgeschoben. Weil seine Eltern aber weiterhin in München lebten, durfte Ari 2001 wieder nach Deutschland einreisen, das Bundesverwaltungsgericht erklärte seine Abschiebung nachträglich für rechtswidrig. Allerdings wurde Ari kurz nach seiner Rückkehr wieder straffällig und abermals zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten verurteilt. Er flüchtete in die Türkei, die Strafe ist noch nicht verbüßt.

          Ordnungsdezernent Frank hat nach eigenen Worten am Mittwoch das bayerische Justizministerium kontaktiert und darum gebeten, den Haftbefehl aufrechtzuerhalten. Zudem habe er bei der deutschen Botschaft in Ankara dafür geworben, Ari kein Visum auszustellen.

          „Monster der Kriminalität“

          Der Münchner Riva Verlag, in dem Aris Autobiographie erscheint, würde es hingegen begrüßen, wenn der Autor sein Buch in Frankfurt persönlich vorstellen könne. „Wir fänden es toll, wenn er käme“, sagte Sprecherin Tina Nollau. „Wir halten es aber nicht für besonders wahrscheinlich.“ Die Zeit bis zur Messe sei zu knapp, um alle Formalitäten zu regeln. Optimistischer ist Aris Anwalt Burkhard Benecken. In ähnlichen Fällen würden die Gerichte oft zugunsten der Verurteilten oder Gesuchten entscheiden. „Länger zurückliegende Haftbefehle wegen ähnlicher Delikte können für Hochzeiten und Beerdigungen ausgesetzt werden“, sagte Benecken. Sein Mandant sei von Politik und Medien stets als „Monster der Kriminalität“ dargestellt worden. Er müsse sich persönlich dagegen verteidigen können. Das ist aus Sicht von Benecken ein wichtigerer Grund für die Aussetzung eines Haftbefehls als die Teilnahme an einer Familienfeier.

          Zudem sei Ari seit acht Jahren nicht mehr auffällig gewesen. Er sei dazu bereit, sich während seiner Zeit in Deutschland regelmäßig bei der Polizei zu melden. Benecken machte deutlich, dass Ari nach seinem Messebesuch wieder in die Türkei zurückkehren wolle. Im vergangenen Jahr hatte der Anwalt gesagt, Ari wolle erreichen, dass auf den Vollzug seiner Strafe verzichtet würde, damit er nach Deutschland zurückkehren könne.

          Quelle: F.A.Z.

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