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Großbrand bei Ingolstadt : „Ein riesiger Knall und meterhohe Flammen“

Bild: afp

Dichte Rauchschwaden, Flammen, beißender Geruch, zehn Verletzte – und Tausende müssen ihre Häuser verlassen: In Oberbayern kommt es zu einer Explosion auf dem Gelände einer Raffinerie – warum, das ist noch unklar.

          Um 5.15 Uhr gingen am Samstagmorgen die ersten Notrufe bei der Polizei ein: Von einem „riesigen Knall“ in einer Raffinerie berichteten dutzende besorgte Anrufer aus der oberbayerischen Stadt Vohburg an der Donau, rund 18 Kilometer von Ingolstadt entfernt. Kilometerweit war die Explosion zu hören gewesen, die mehrere Tanks der von dem Unternehmen „Bayernoil“ betriebenen Raffinerie zerstört und einen Großbrand verursacht hatte. 

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Die Ausmaße des Feuers, das inzwischen unter Kontrolle ist, bezeichneten die ersten Einsatzkräfte vor Ort als gewaltig: Die Flammen schlugen meterhoch, dichte, riesige schwarze Rauchgaswolken breiteten sich aus – eine Gefahr für die angrenzenden Orte. Zehn Menschen sind nach Angaben des bayerischen Innenministeriums verletzt worden, vier von ihnen tragen mittelschwere bis schwere Verletzungen davon. Offenbar handelt es sich um Mitarbeiter der Raffinerie, es ist jedoch nach Polizeiangaben auch nicht ausgeschlossen, dass Einsatzkräfte verletzt wurden. Ihren verletzten Mitarbeitern gehe es den „Umständen entsprechend gut“, teilte „Bayernoil“ mit.

          Zu den Ursachen machte das Unternehmen keine Angaben, die Untersuchungen müssten abgewartet werden. Erste Sachverständige seien vor Ort. Wie es zu der Explosion kommen konnte, steht auch nach Polizeiangaben noch nicht fest. Die Ermittlungen der Brandexperten der Kriminalpolizei in Ingolstadt und der Spezialisten des bayerischen Landeskriminalamtes würden nach Abschluss der Löscharbeiten fortgeführt.

          Hunderte Helfer im Einsatz

          Rund 600 Polizisten, Feuerwehrleute, Rettungskräfte und Mitarbeiter des Technischen Hilfswerkes wurden in den Morgenstunden zu dem Gelände geschickt. Um das Ausmaß des Brandes besser einzuschätzen, wurden zudem ein Hubschrauber und eine Drohne zur „Lageaufklärung“ eingesetzt. Aktuell, so die Polizei am Mittag, sei die Situation in den betroffenen Stadtteilen von Vohburg, in Irsching und Knodorf, „unter Kontrolle“. Die Messungen der Luftqualität hätten keine gefährlichen Werte mehr ergeben. Die amtliche Gefahrenwarnung sei aufgehoben worden.

          Auf einem Raffineriegelände von Bayernoil in Vohburg an der Donau ist ein Großfeuer ausgebrochen.

          Am frühen Morgen hatte die Polizei noch mit Gefahrendurchsagen über Lautsprecher und Radiosender die Anwohner gewarnt, ihre Häuser nicht zu verlassen sowie Türen und Fenster zu schließen. Etwa zwei Stunden, nachdem die ersten Notrufe eingegangen waren, rief das Landratsamt Pfaffenhofen an der Ilm zudem den Katastrophenfall aus. Auf diese Weise konnte den Angaben zufolge der Einsatz besser koordiniert und eine große Anzahl an Kräften zum Einsatzort entsandt werden. Der Katastrophenfall bestand am Samstagnachmittag aber weiterhin, das Amt richtete für die betroffenen Anwohner ein Bürgertelefon ein.

          Feuerwehrleute beim Löschen des Brandes

          Da man am frühen Morgen noch nicht abschätzten konnte, wie sich Brand und Rauchgase entwickeln würden, rief die Polizei zu einer umfassenden Evakuierung auf: Die Menschen in den Stadtteilen Irsching und Knodorf wurden aufgefordert, die Häuser zu verlassen und bei Bekannten unterzukommen. Turnhallen wurden für sie geöffnet. Am Nachmittag konnten die Anwohner in ihre Wohnungen zurückkehren, die Anordnung wurde aufgehoben. Betroffen war nach Polizeiangaben ein Gebiet, in dem rund 1800 Personen wohnen.

          Die Einsatzkräfte, die auf dem Gelände das Feuer bekämpfen, wurden am Mittag reduziert, da der Brand unter Kontrolle war und sich auch die Rauchwolke „abgemildert“ hatte, wie ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord mitteilte. Die Löscharbeiten dauerten jedoch noch an: „Da raucht’s schon noch.“

          Die Feuerwehr brannte Benzin, Gase und Öle kontrolliert ab, die sich noch in dem Leitungssystem der Raffinerie befanden. „Bayernoil“ teilte mit, dass die Raffinerieanlagen „außer Berieb und gesichert sind“. Das Ausmaß der Zerstörung sei „erschreckend“, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU), der sich vor Ort ein Bild von der Brandkatastrophe machte.

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