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Homosexuelle in Russland : Schwulenhatz

Das russische Verbot homosexueller „Propaganda“ ist in Kraft. Ein Lehrer, der zur Vernunft aufrief, wurde entlassen. Viele resignieren, einige aber wollen kämpfen.

          In Russland ist die Jagd auf Homosexuelle offiziell eröffnet. Das Gesetz, das die „Propaganda“ gleichgeschlechtlicher Liebe verbietet, ist in St.Petersburg, Nowosibirsk, Kostroma, Astrachan und Rjasan schon in Kraft und soll nach dem Willen der Duma, die es in erster Lesung verabschiedet hat, bald auch landesweit gelten.

          Der Moskauer Biologielehrer Ilja Kolmanowski, der bei einer Protestversammlung vor der Duma inmitten Maskierter, die Kirchenhymnen sangen und Schwule bedrohten, zur Vernunft aufrief, wurde aus der angesehenen Schule Nr.2 entlassen. Kolmanowski erklärte den Homosexuellenhassern, er sei selbst heterosexuell, habe Frau und Kinder. Aber gerade deshalb und weil er Wissenschaftler sei, müsse er sie daran erinnern, dass die sexuelle Orientierung eines Kindes sich noch im Mutterleib oder kurz nach der Geburt entscheide und nicht, wie die Duma-Abgeordneten glauben machten, durch das Beispiel sich küssender Paare. Kolmanowskis Direktor hielt zunächst zu ihm. Doch als Kollegen und angeblich auch Eltern eine Kampagne gegen ihn starteten, bat er den Lehrer zu gehen, um die Schule, insbesondere ihre Finanzierung, nicht zu gefährden.

          Die weiblichen Kinostars setzen auf Mut und Heroismus

          Jetzt befragte die oppositionelle Zeitschrift „The New Times“ Prominente aus dem Kulturleben, was sie heute jungen Landsleuten raten würden, die merkten, dass sie homosexuell sind. Der renommierte Regisseur Kyrill Serebrennikow antwortete kurz und pessimistisch: Er empfehle schwulen Halbwüchsigen, das Land zu verlassen, wo sie niemals glücklich sein könnten. Serebrennikows Kollege Wladimir Mirsojew hält davon wenig. Es sei absurd, die Minderheiten - ob sexuelle, ob kleine Völker, ob Leute mit Behinderungen -, aus denen eine Gesellschaft auch bestehe, „wegschneiden“ zu wollen, so Mirsojew.

          Die weiblichen Stars der russischen Kinoleinwand dagegen setzen auf Mut und Heroismus. Die Schauspielerin Jelena Korenewa erinnert daran, aus Menschen, die Widerstände und Zumutungen ihrer Umwelt überwinden müssten, würden oft Führungsfiguren oder Künstler. Frau Korenewa wünscht den jungen Schwulen in Russland vor allem Tapferkeit. Ähnlich denkt Russlands blonde, geheimnisvolle Film-Diva Renata Litwinowa, die jeden Hitchcock-Film hätte zieren können: Wer sein wahres Wesen allein gegen alle anderen bewahren wolle, brauche Klugheit und Kraft. Doch irgendwann erreiche man das Ziel - wenn auch nach Leiden und Erniedrigungen. Die Leidenschaft eines Einzelnen ist stärker als der Tod! Sagt Frau Litwinowa.

          Quelle: F.A.Z.

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