Omri Boehms Bibeldeutung : Die abrahamitische Unterscheidung

Anders gehorcht er: Omri Boehms radikale Deutung des Isaak-Opfers lässt sich mit Forschungen zur politischen Theologie der hebräischen Bibel verknüpfen.
Gibt es eine Brücke, die vom biblischen Gottesglauben zum Kantschen Moralgesetz führt? Folgen wir den unter der Überschrift „Den Sohn opfern?“ in der Osterausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ veröffentlichten Überlegungen Gustav Seibts, dann ist es dem israelischen Philosophen Omri Boehm in seinem viel diskutierten, jüngst mit dem Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung ausgezeichneten Buch „Radikaler Universalismus“ mit seiner Deutung der biblischen Geschichte von Abraham und Isaak gelungen, eine solche zu schlagen. In dieser Geschichte verlangt Gott von Abraham nichts Geringeres, als ihm den eigenen Sohn Isaak als Brandopfer darzubieten. Am Ende ist Abraham dazu bereit. Doch in dem Moment, als er ansetzt, „seinen Sohn hinzumetzen“, wie es in der Buber-Rosenzweig-Übersetzung aus dem Hebräischen heißt, schreitet im letzten Moment ein Engel als gottgesandter Bote ein. Das Ganze stellt sich als Prüfung Gottes an Abrahams unbedingten Gottesglauben heraus.


