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Partnersuche im Internet : Programmiertes Glück

  • -Aktualisiert am

Heiratsanzeige war gestern. Kontaktwillige finden sich heute an jeder Ecke im Netz. Bild: Illustration F.A.S.

Soll es fürs ganze Leben sein? Oder nur ein schnelles Abenteuer? Den passenden Partner suchen immer mehr Singles über Börsen im Internet. Nach welchen Regeln wird da eigentlich ausgesiebt?

          Wir schreiben das Jahr 1965. In Deutschland gilt es immer noch als anrüchig, sich an ein Eheanbahnungsinstitut zu wenden. Auf die Annoncen („Gut situierter Unternehmer im Ruhestand, 73, passionierter Segler, sucht Frau von Niveau“) ist auch nicht immer Verlass. Und wer traut sich schon zum Ball der einsamen Herzen, wo der Kontakt per Tischtelefon aufgenommen wird?

          Auf der anderen Seite des Atlantiks hat der Harvard-Student Jeff Tarr eine bessere Idee. Er will das Thema Partnersuche nicht mehr dem Zufall oder hauptberuflichen Kupplern überlassen. Tarr entwickelt Persönlichkeitsfragebögen, mit denen er Kommilitonen nach ihren Vorlieben befragt, und verteilt sie an Bostoner Universitäten. Die Zahl der Rückmeldungen überrascht ihn selbst. Er mietet kurzerhand einen IBM-Computer, wertet die erhaltenen Daten nach potentiell erfolgreichen Paarungen aus und nennt diese erste computerbasierte Partnerbörse paramilitärisch „Operation Match“. Schon nach zwölf Monaten hat er neunzigtausend registrierte Nutzer zusammen und erwirtschaftet Einnahmen von 270 000 Dollar. Doch bis daraus ein allgemeines Geschäftsmodell wird, gehen noch einige Jahrzehnte ins Land.

          Heute wird der Markt für Singlebörsen allein in Europa auf mehr als achthundert Millionen Euro geschätzt. Deutschland bildet, nach Großbritannien, den zweitgrößten Markt mit einem Umsatz von gut zweihundert Millionen Euro.

          Gemeinsamkeiten allein reichen nicht

          Richtig in Schwung kam die Sache um die Jahrtausendwende, als Zeitschriften und Stadtmagazine dazu übergingen, ihre Kleinanzeigen auch ins Internet zu stellen. Der Computer half jetzt mit, weil die Kontaktwilligen über eine Volltextsuche, wenn auch vergleichsweise mühevoll, die Spreu vom Weizen trennen konnten. Wenige Jahre später folgten die ersten kommerziell erfolgreichen Online-Singlebörsen, die ihre Dienstleistung unabhängig von Verlagsinhalten anboten. Die Auswahlmöglichkeiten waren schon deutlich differenzierter; so konnte man gezielt nach geeigneten Kandidaten in der näheren Umgebung suchen, auch nach Übereinstimmungen bei Hobbys, sexuellen Vorlieben oder Alter und Statur.

          Diese Entwicklung verlief ganz ähnlich wie im Immobilien- oder Fahrzeugbereich. Besonders schnell wuchs die Scout24 Holding mit Sitz in München, die mit diversen Online-Marktplätzen wie immobilienscout24 oder autoscout24 für so ziemlich jeden Topf einen Deckel sucht. friendscout24 ist nach eigenen Angaben mit 24 Millionen registrierten Profilen das mitgliederstärktste Partnerportal in Deutschland. Doch während bei einem Auto an Fakten wie Hersteller, Modell, Farbe oder Tachostand schlecht zu rütteln ist, gestaltet sich die Suche nach einem Lebensgefährten deutlich komplexer. Es gehört schließlich zu den Binsenweisheiten, dass ein Mann sich in eine schwarzhaarige Frau verlieben kann, auch wenn er eigentlich Blondinen bevorzugt. Eine Frau kann durchaus an einem Weltumsegler Gefallen finden, auch wenn sie ursprünglich nach einem erzkonservativen Angestellten aus dem gehobenen Verwaltungsdienst gesucht hat. Gemeinsamkeiten allein machen nicht per se ein gutes „Match“, wie die Paarpsychologen es nennen.

          Hier kommt die Grundidee von Jeff Tarr wieder ins Spiel. Inzwischen setzt eine ganze Reihe von Partnerbörsen auf Matching-Algorithmen, die durch aktive Computerunterstützung nach erfolgversprechenden Paarungen suchen, also nicht nur durch eine vom Nutzer initiierte Einmalabfrage gespeicherter Daten. Allen diesen Partnerbörsen gemein ist, dass ihre Mitglieder vorher einen ausführlichen, von Psychologen entwickelten Fragebogen ausfüllen. Der Fokus liegt dabei weniger auf singulären Eigenschaften wie Hobbys, Einkommen oder Beruf. Interessanter für die Matching-Algorithmen sind Metathemen: Ist der Kandidat belastbar und von positiver Grundeinstellung? Wie geht er mit Krisen um? Ist er eher dominant oder anpassungsfähig? Ist er in- oder extrovertiert?

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