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Genesung des ADAC : Tiefer Glaube an die Gelben Engel

Alles wird gut – sagt jedenfalls der Beirat des Pannenhelfervereins. Bild: dpa

Um seine angekratzte Glaubwürdigkeit wieder herzustellen, hat der ADAC einen Beirat mit integren Persönlichkeiten gegründet. Der zog nun Bilanz.

          Auf eine Klarstellung legte der ADAC-Sprecher gleich zu Beginn Wert: Es sei keine Pressekonferenz des ADAC, sondern eine über den ADAC. Eingeladen hatten auch nicht Präsidium und Geschäftsführung von Deutschlands größtem Autofahrerklub, sondern dessen Beirat. Und dieses Gremium, das den Reformprozess begleiten sollte, sei unabhängig, sagte der Sprecher.

          Henning Peitsmeier

          Wirtschaftskorrespondent in München.

          Dieser vierköpfige Beirat unter Führung des Unternehmers und Unicef-Vorstands Jürgen Heraeus also, einberufen nach dem großen Skandal um manipulierte Leserwahlen zum Autopreis „Gelber Engel“ und anderer Ungereimtheiten, zog nun nach zwei Jahren ein Fazit zum Umbau des ADAC. Es hätte auch in einer Pressekonferenz des ADAC kaum positiver ausfallen können.

          „Die versprochenen Reformen sind gewissenhaft, konsequent und nachhaltig vorangetrieben worden“, sagte Heraeus. Auch die drei anderen honorigen Beiratsmitglieder – der ehemalige Präsident des Verfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, die Vorsitzende von Transparency International, Edda Müller, und der Politikwissenschaftler und Historiker Rupert Graf Strachwitz – waren voll des Lobes.

          Der Reformprozess sei „beispielhaft für viele andere Vereine“, sagte Edda Müller. Der ADAC habe nicht bloß das Personal an der Spitze ausgetauscht. Vorbildlich sei vor allem der Verhaltenskodex für die Interessenvertretung. So werde der ADAC bei politischen Äußerungen, etwa zur Maut auf Autobahnen, vorher seine Mitglieder befragen.

          Von einem „grundlegend reformierten Verein“ sprach Hans-Jürgen Papier. Am Vereinscharakter könne es keine Zweifel geben, sagte er und zeigte sich zuversichtlich, dass auch das Amtsgericht München zu diesem Urteil kommen werde. Der Status des Idealvereins und der Vorteil geringerer Steuern auf die Mitgliedsbeiträge würden dem ADAC demnach erhalten bleiben.

          Der ADAC sollte als „wertorientierte Mitgliederorganisation“ die Ziele des Vereins, also tätige Hilfe, Rat und Unterstützung, noch stärker in den Vordergrund stellen, riet Papier. Natürlich sei der Großteil der 19,2 Millionen Mitglieder an den Dienstleistungen des ADAC interessiert und weniger am Vereinsleben, räumte Graf Strachwitz ein. Aber der Grundsatzbeschluss, ein Verein bleiben zu wollen, sei auch vom Beirat befürwortet worden.

          22 Mal hatte der Beirat getagt, und mit seiner letzten Amtshandlung, ebenjener Pressekonferenz am Mittwoch, stellte er die Arbeit ein. Es liegt nun an ADAC-Präsident August Markl und seiner Geschäftsführung, die Reform in diesem Jahr vollständig umzusetzen, um das Vertrauen in den größten Verein Deutschlands und seine 18 Regionalklubs wiederherzustellen.

          Wechsel vom Verein zur Aktiengesellschaft

          Im Kern geht es um ein Drei-Säulen-Modell, das die wirtschaftlichen Geschäfte vom Verein trennt. Da ist zum einen der Idealverein, der nur zum Nebenzweck wirtschaftlich aktiv sein darf, sich künftig ausschließlich über die Beiträge seiner Mitglieder finanziert und für die Pannenhilfe und den Motorsport zuständig ist. Da ist zum anderen eine Aktiengesellschaft europäischen Rechts, in der alle gewerblichen Aktivitäten gebündelt sind, wie der Verlag oder der Verkauf von Versicherungen und Autobatterien.

          An diesem bedeutenden Wirtschaftsunternehmen, das mehr als 1 Milliarde Euro umsetzt, ist der Verein mit 74,9 Prozent beteiligt. Die Sperrminorität liegt bei einer gemeinnützigen Stiftung, die Forschungsprojekte im Bereich Mobilität finanzieren oder Unfallopfer unterstützen soll. Nur wenn dieser Umbau in Kraft tritt, kann der ADAC e.V. mit dem Steuervorteil rechnen. Für gut 2000 der fast 9000 hauptamtlichen ADAC-Mitarbeiter wird es zu einem Wechsel vom Verein zur Aktiengesellschaft oder zur Stiftung kommen.

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