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Finanzinvestoren : Wohin nur mit dem ganzen Geld?

Die Heineken-Brauerei wehrt sich gegen die Übernahme durch den Brauereikonzern SAB Miller. Bild: BLOOMBERG NEWS

Die Kassen von Private-Equity-Gesellschaften und Konzernen sind prall gefüllt. Weil die Milliarden irgendwohin müssen, ist auf dem Markt für Übernahmen die Hölle los.

          Die Weltwirtschaft schwimmt im Geld. Auf nahezu 1,5 Billionen Dollar summieren sich nach den jüngsten Angaben der amerikanischen Analysegesellschaft Preqin die Reserven der Kapitalbeteiligungsgesellschaften weltweit. Dry Powder – trockenes Pulver – nennt die Branche dieses Geld, das sie bei professionellen Anlegern eingesammelt, aber noch nicht in Unternehmen investiert hat. Und auch die Konzerne horten riesige Mengen an Liquidität: Nach Berechnungen von Thomson Reuters verfügten die weltweit 5100 größten Unternehmen Ende 2013 über 5,7 Billionen Dollar. Insgesamt beliefen sich die globalen Cash-Reserven damit auf mehr als sieben Billionen Dollar. Das wäre das Doppelte des deutschen Bruttoinlandsprodukts von 2013. Und Banken und Versicherungen sind dabei noch nicht einmal eingerechnet.

          Inge Kloepfer

          Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Wohin dieses Geld fließen soll, das weiß angesichts niedriger Zinsen und mutmaßlich überbewerteter Aktienmärkte keiner so richtig. „Derzeit herrscht ein enormer Liquiditätsüberschuss“, sagt Stefan Zuschke, Deutschland-Chef der Beteiligungsgesellschaft BC Partners, der den Markt seit mehr als 20 Jahren kennt, „die Kassen der Pensions- und der Staatsfonds sind prall gefüllt.“ Zuschke verweist zum Beispiel auf den Norwegischen Ölfonds – mit einem Anlagevermögen von rund 650 Milliarden Euro einer der größten Staatsfonds der Welt. Von dessen Anlagenöten war in jüngster Zeit immer wieder die Rede.

          In diesem Umfeld erscheinen die Kapitalbeteiligungsgesellschaften professionellen Investoren als besonders attraktiv. Sie versprechen weit überdurchschnittliche Renditen, wenn auch bei größerem Risiko. Schließlich investieren sie Eigenkapital. Die Aussichten auf eine höhere Rendite haben bei den ganz Großen der Branche in letzter Zeit für einen üppigen Mittelzufluss gesorgt: KKR, Blackstone, Permira oder die Carlyle Group sind sehr gefragt, auch wenn die Gesellschaften selbst vorsichtiger geworden sind.

          Anlagenotstand oder nicht?

          „Von absoluten Renditevorgaben wie etwa den vor einigen Jahren noch vielzitierten 25 Prozent sind wir inzwischen abgekommen“, sagt BC-Partners-Chef Zuschke. „Wenn wir eine Brutto-Rendite von 20 bis 22 Prozent erwirtschaften, ist das schon nicht schlecht. Davon ziehen wir noch die Kosten ab, also unsere Managementgebühren von ein bis zwei Prozent und eine Gewinnbeteiligung.“ 13 bis 14 Prozent verblieben danach in der Regel beim Investor. Verglichen mit den Renditen, die Anleger zurzeit von anderen Anlageformen erwarten können, ist das immer noch eine ganze Menge.

          Allerdings gibt es auch Stimmen, die vom vermeintlichen Anlagenotstand nichts wissen wollen. Der europäische Branchenverband der Beteiligungsgesellschaften EVCA hält die spektakulären Schätzungen von Preqin oder Beratungsgesellschaften wie Bain & Company für nicht übermäßig belastbar. „Wir geben solche Zahlen nicht heraus“, sagt Hauptgeschäftsführerin Dörte Höppner. Wie hoch die Summe nicht investierter Kapitalzusagen tatsächlich sei, könne man kaum beziffern. Das Geld sei den Kapitalgesellschaften zwar zugesagt, aber natürlich nicht eingezahlt. Sicher gebe es derzeit mehr Liquidität im Markt als Anlagemöglichkeiten, aber die Sorge vor einem Anlagenotstand will sie nicht so recht teilen. „Vor ein paar Jahren ist noch das Ende der Branche ausgerufen worden, weil die Investoren zurückhaltend waren, jetzt herrscht angeblich Anlagenotstand – das eine stimmt so wenig wie das andere.“

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