https://www.faz.net/-gqe-6m71f

Pressevertrieb : Frauen im Blick

  • -Aktualisiert am

Kampf um die Frauenzeitschrift: Wer muss in Vollsicht liegen? Bild: Helmut Fricke

Immer mehr Zeitschriften erscheinen, immer weniger werden verkauft: Bauer, Burda, WAZ und Klambt kämpfen mit Millionen Euro für ihre Frauenzeitschriften. Der Verband der Zeitschriftenverleger kritisiert „Dumpingtitel“.

          Frauenzeitschriften sind meist leichte Kost, aber ihre wirtschaftlichen Aussichten scheinen umso zäher zu sein. „Wir leben nicht mehr in Zeiten ungebremsten Wachstums, die Zeitschriften kämpfen hart um ihre Marktstellung“, sagt Wolfgang Fürstner, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Die Verkäufe sinken. Umso härter kämpft jeder gegen jeden um den Platz im Presseregal. Eine neue Allianz großer Verlage will das umgehen: Die Bauer Media Group, Burda, die WAZ-Gruppe und die Mediengruppe Klambt streiten zusammen dafür, dass ihre wöchentlichen unterhaltenden Frauenzeitschriften wie „Freizeitrevue“, „Neue Post“ und „Die Aktuelle“ in Vollsicht im Regal jedes Einzelhändlers liegen. Für die Kampagne „Erste Reihe für Umsatzbringer“ geben die Verlage mehrere Millionen Euro aus, um den Umsatz zum wichtigsten Kriterium zu machen.

          Jan Hauser

          Redakteur in der Wirtschaft.

          „Für Käufer ist die Orientierung am Presseregal nahezu unmöglich geworden, da eine unübersichtliche Menge monatlicher oder unregelmäßig erscheinender Hefte die Presseregale flutet“, schreiben die Verlage. Ihre Hoffnung: Die „Regaloffensive“ bringt höhere Umsätze - wer präsenter am Platz der Verkaufs liegt, setzt mehr ab. Die Bedrohung: Andere, kleinere Medien werden im rückläufigen Markt des Presseeinzelhandels verdrängt.

          Dass die vier Verlage fordern, dass ihre Blätter in Vollsicht im Regal liegen müssen, geht ins Grundsätzliche. Über die Plazierung entscheidet jeder Einzelhändler für sich. Auch wenn die Titel der vier Verlage umsatzstark sind, maximiert der Handel nicht automatisch seinen Gewinn mit ihnen. An jedem Kiosk werden andere Magazine gekauft - Stadt oder Land, West oder Ost, kleiner oder großer Laden: Jedes Geschäft möchte selbst Zeitschriften plazieren. Ähnlich äußert sich der Verband der Pressegroßhändler, die als neutrale Instanz die Publikationen an den Kiosk liefern. „Unser Ansatz sieht unverändert so aus, dass der Grossist jeden Händler individuell über das für sein Geschäft ermittelte Sortiment und die jeweiligen Segmentmarktführer berät“, sagt Frank Hoffmann, Vorstandsmitglied des Grosso-Verbandes.

          Wolfgang Fürstner, Hauptgeschäftsführer VDZ

          Das deutsche Grosso-System erlaubt jeder Zeitschrift, zu gleichen Konditionen an den Kiosk zu kommen. „Wir wollen und kämpfen für die Offenheit des Pressevertriebssystems“, sagt Verlegerverbandsvertreter Fürstner. Jedes Jahr greifen neue Titel die etablierten Magazine an. „Die vier Verlage fühlen sich mit ihren Frauenzeitschriften durch Dumpingtitel massiv angegriffen.“ Die Verlagsgruppe Stegenwaller verkauft etwa mehrere Magazine für um die 50 Cent wie „Freizeit Total“ oder „Freizeit Aktuell“. „Diese billigen Frauenzeitschriften werden gewissermaßen auf dem Kopierer hergestellt und zu Dumpingpreisen in den Markt gedrückt, die bei weitem nicht die Produktions- und Vertriebskosten decken“, sagt Fürstner. Doch auch eine Frauenzeitschrift hätte ihren Preis. „Aber wenn der Wettbewerber diesen Preis nicht zahlen muss, weil er alles zusammenklaubt, ist das Wettbewerb mit unfairen Methoden.“

          Bauer streitet seit langem für die Platzierung nach Umsatz

          Weitere Themen

          Das Rezo-Video im Faktencheck

          „Die Zerstörung der CDU“ : Das Rezo-Video im Faktencheck

          Klima, Wohlstand, Krieg und Protestkultur: Eine zornige Abrechnung wird zum Internethit. Was hält einer genaueren Betrachtung stand? Eine kritische Perspektive auf die vier zentralen Themen.

          Topmeldungen

          Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP für die Bremer Bürgschaftswahl, könnte einem Jamaika-Bündnis im Wege stehen.

          FDP in Bremen : Im Reich des Tschakka

          Die aus dem Fernsehen bekannte Spitzenkandidatin der Bremer FDP, Lencke Steiner, gilt als Marketingtalent, aber auch als Hindernis für eine Jamaika-Koalition – beides steht in einem Zusammenhang.

          FAZ Plus Artikel: Zukunftstechnologien : Mit Visionen gegen Dystopien

          Die Zukunft hält für uns derzeit vielfältige Drohszenarien bereit – aber das ist kein Grund, sich in Vergangenheit zu flüchten. Das Potential mutigen Denkens zeigt allein die Debatte um allgemeine KI.
          Der Lautsprecher Amazon Echo ermöglicht den Kontakt mit Alexa – viele Menschen werden mit ihr bald mehr sprechen als mit ihrem Umfeld, glaubt die Unesco.

          Kritik von der Unesco : Alexa, förderst du Vorurteile über Frauen?

          Eine Frauenstimme, die jeder Bitte folgsam nachkommt: Laut einem Bericht der Unesco tragen Sprachassistenten wie Alexa und Siri zur Verbreitung von Geschlechterklischees und der Akzeptanz von sexistischen Beleidigungen bei.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.