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Pharmaindustrie : Das Los entscheidet über Leben und Tod

Kleinkind bekommt Novartis-Medikament verabreicht. Bild: dpa

Novartis verteilt ein teures, knappes Medikament per Zufallsprinzip gratis an Kinder, die an einer seltenen Muskelkrankheit leiden. Ist das gerecht?

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          Per Los zum lebensrettenden Medikament: So versucht der Pharmakonzern Novartis ein Dilemma zu lösen. Das Schweizer Unternehmen kann derzeit nicht genügend Dosen des Mittels Zolgensma produzieren, um alle Kinder zu erreichen, die unter der seltenen Muskelkrankheit SMA leiden. Das Kürzel steht für spinale Muskelatrophie. Die Erbkrankheit trifft Säuglinge und Kleinkinder und führt unbehandelt über kurz oder lang zu deren Tod. Zolgensma ist eine neue Gentherapie, die in Amerika zugelassen und dabei vor allem wegen des Preises in die Schlagzeilen gekommen ist: Eine einzige Injektion – mehr ist zu Behandlung nicht nötig – kostet 2,1 Millionen Dollar. Etwa eins von 10.000 Kindern kommt mit einem SMA-Gen-Defekt zur Welt. Hierzulande gibt es rund 50 Fälle im Jahr.

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          In Europa ist Zolgensma noch nicht auf dem Markt – und trotzdem in aller Munde. Novartis produziert das teure Wundermittel bisher nur in einem einzigen Werk in Amerika. Und die Kapazitäten dort sind zu klein und das Produktionsverfahren zu kompliziert, um die Nachfrage befriedigen zu können. Abhilfe ist erst im kommenden Jahr in Sicht, wenn zwei weitere Werke in Übersee in Betrieb gehen. Um trotzdem wenigstens einen Teil der besonders betroffenen Patienten zu versorgen, hat Novartis ein globales Härtefallprogramm aufgelegt.

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