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Haniel-Konzern : Kluge verzichtet auf Vertragsverlängerung

  • -Aktualisiert am

Jürgen Kluge Bild: dpa

Nach seinem Rückzug von der Metro-Aufsichtsratsspitze folgt als zweiter Schritt der Abschied beim Mehrheitsaktionär. Vertrauen sei nicht teilbar, argumentiert er.

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          Als Jürgen Kluge im Januar 2010 sein Amt als Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens Haniel antrat, gab es manche kritische Stimme. Ein Beratungs-Profi wechselt ins operative Geschäft an die Vorstandsspitze eines namhaften Konzerns. Sind das nicht völlig unterschiedliche Paar Schuhe, wurde geunkt. Nun wirft Kluge komplett das Handtuch. Er steht für eine Verlängerung seines bis Ende 2012 laufenden Vertrages nicht zur Verfügung. Die Verlängerung um die üblichen drei Jahre wäre Thema der Haniel-Aufsichtsratssitzung Anfang kommenden Jahres gewesen. Der promovierte Physiker und langjährige McKinsey-Deutschland-Chef liefert für seinen Entschluss eine nüchterne Begründung: „Der Vorstand hat die Kontrolle über das wichtigste Asset des Unternehmens verloren“, sagt er mit Blick auf die etwas mehr als 30 Prozent ausmachende Beteiligung an dem Düsseldorfer Metro-Konzern.

          Mit dem Argument, Metro benötige einen Neuanfang, hatte Kluge erst vor zwei Wochen angekündigt, den Aufsichtsratsvorsitz bei dem Düsseldorfer Handelskonzern niederzulegen und aus dem Gremium auszuscheiden. Dieser auch auf Druck der Haniels getroffenen Entscheidung war der Rückzieher des noch amtierenden Metro-Vorstandsvorsitzenden Eckhard Cordes vorausgegangen. Nach langen unter der Beobachtung der Öffentlichkeit ausgetragenen Querelen um seine Vertragsverlängerung, hatte dieser auf eine zweite Amtsperiode verzichtet.

          „Vertrauen kann man nicht teilen“, kommentiert Kluge gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Aus dem Metro-Aufsichtsrat ausscheiden, bei Haniel aber Chef bleiben, ist für ihn ein schlechter Kompromiss. Da die Beteiligung an Metro in Besitz der Gesellschaft Franz Haniel & Cie. und nicht der Familie steht, gehört nach seiner Meinung die direkte Kontrolle über das gewichtigste Engagement auch in die Verantwortung des Haniel-CEOs. Nun wird Franz Markus Haniel, Vertreter des Familienclans und als solcher Aufsichtsratsvorsitzender des Misch-Konzerns Haniel, nachrücken und den Posten Kluges im Metro-Aufsichtsrat übernehmen. Kluge macht keinen Hehl aus seiner Meinung, dass ein nicht operativ tätiger Familienvertreter eigentlich nur eine Übergangslösung für die Spitze des Metro-Aufsichtsrats sein kann.

          Hin und Her mit wechselnden Loyalitätsbekundungen

          Wie Kluge einräumt, ist der gesamte Prozess um die Vertragsverlängerung von Cordes schlecht gelaufen. So habe das Hin und Her mit wechselnden Loyalitätsbekundungen nicht den Regeln guter Unternehmensführung entsprochen. Danach hat der Aufsichtsrats mehrheitlich über Vorstandsfragen zu entscheiden. Nach diversen Gesprächsrunden mit den Mitgliedern des Aufsichtsrats habe sich indes abgezeichnet, dass es keine Mehrheit für eine Vertragsverlängerung für Cordes geben würde, erläutert er. Allerdings hatte Cordes mit dem im Gremium sitzenden Vertreter des Haniel-Mitaktionärs Schmidt-Ruthenbeck einen starken Befürworter. Die beiden Familien kontrollieren über einen Poolvertrag die Mehrheit an Metro, und diese wichtige Vereinbarung wollte Haniel am Ende wohl nicht gefährden. „Kann ein Aufsichtsratsvorsitzender etwas gegen die Stimmen des Pools, also des Mehrheitsgesellschafters, unternehmen?“, verweist er auf den Konflikt, dass im Aufsichtsrat andere Mehrheiten herrschten als im Aktionärskreis.

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