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Finanzinstitute : Oddo nimmt Defizite der BHF-Bank in Angriff

Der Turm der BHF-Bank in Frankfurt Bild: Kien Hoang Le

Der neue Bankchef fordert die Mitarbeiter zu besserer Zusammenarbeit auf. Wird die Bank hierarchischer?

          4 Min.

          Seit 11. März ist Philippe Oddo nicht nur Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer des Pariser Bankhauses Oddo & Cie, sondern auch Vorstandsvorsitzender der von ihm vor einem halben Jahr erworbenen BHF-Bank. Diese traditionsreiche Frankfurter Bank für reiche Privatleute und Unternehmen arbeitet in diesem Jahr bisher mit Verlust, wie der 56 Jahre alte Franzose in seinem ersten Interview als Vorstandsvorsitzender der BHF-Bank zugibt. Diejenigen unter den 1100 Mitarbeitern, die Angst vor einem Stellenabbau haben, kann Oddo ein wenig beruhigen. Denn offensichtlich laufen die Geschäfte im Pariser Stammhaus gut, wenn auch schlechter als die Jahresplanung vorsah. „Wir halten an dem Ziel fest, als Oddo-Gruppe in diesem Jahr mehr als 100 Millionen Euro Gewinn zu machen“, sagte Oddo im Gespräch mit der F.A.Z. Das wäre eine weitere Steigerung, nachdem der Gewinn der Oddo-Gruppe zuvor von 54 Millionen Euro im Jahr 2014 auf 92 Millionen Euro im Jahr 2015 gestiegen war.

          Hanno Mußler

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gleichwohl kann und will der Franzose seinen deutschen Mitarbeitern nicht alle Sorgen nehmen. „Ich bin bereit, in Deutschland und die BHF-Bank noch mehr zu investieren. Aber wir brauchen dann auch mehr Geschäft und bessere Ergebnisse“, sagte Oddo. Mit neuen Steuerungsgremien will er die Kundenorientierung verbessern. Denn als Defizit in der BHF-Bank hat Oddo eine fehlende Zusammenarbeit zwischen dem Vorstand und den restlichen Mitarbeitern ausgemacht. Die neuen Steuerungsgremien, eines für die Gesamtbank und jeweils eines für jeden der vier Geschäftsbereiche, sollen maximal zehn Personen umfassen, für das Optimum hält Oddo sieben oder acht Mitglieder, darunter Vorstände und im Kundengeschäft tätige Mitarbeiter. Die Gremien sollen wöchentlich tagen.

          Philippe Oddo

          Mit diesen Strukturen arbeitet Oddo auch in Paris in seinem Bankhaus. Bestätigt sich damit ein deutsches Vorurteil gegenüber französischer Unternehmensführung, das lautet: Wird die BHF-Bank hierarchischer? „Ganz im Gegenteil“, antwortet Oddo. „Die neuen Steuerungsgremien sollen Verantwortung übernehmen und nicht wegdelegieren. Diese Gremien sollen sich mehr mit dem Kundengeschäft beschäftigen, als es dem Vorstand möglich ist. Zugleich sollen sie die Verbindung zwischen Vorstand und zweiter Führungsebene stärken. Das ist neu für die BHF-Bank und fehlt ihr.“

          Damit ist auch die Kernbotschaft Oddos an die Mitarbeiter klar. Sie lautet: mehr zusammenarbeiten. „Keine heiligen Kühe, keine schwarzen Schafe“, sagte er in bestem Deutsch. Stattdessen? „Transparenz und positive Energie“, nennt Oddo als entscheidende Werte, die er mehrmals im Gespräch wiederholt, als müsse er etliche Mitarbeiter aus ihrer Lethargie aufrütteln.

          Aber was ist mit den Kosten, müssen die nicht auch herunter, damit sich der Kauf der BHF-Bank für Oddo rentiert? 725 Millionen Euro hat er aufgewendet für die BHF-Gruppe, zwei von drei Einheiten hat er inzwischen an die französischen Finanzhäuser Société Générale und Amundi verkauft, damit mehr als 400 Millionen Euro eingenommen, so dass das Herzstück BHF-Bank ihn de facto 300 Millionen Euro gekostet hat. Das ist zwar eine Menge Geld für Oddo, dessen Bankhaus im vergangenen Jahr vor einer inzwischen erfolgten Kapitalerhöhung nur 540 Millionen Euro aufwies. Aber Oddo, der Oddo & Cie in fünfter Familiengeneration führt, gehört zu den zweihundert reichsten Franzosen und gilt als überaus Deutschland-affin. „Ich bin Vorstandsvorsitzender der BHF-Bank geworden, um mich um die deutschen Kunden und Mitarbeiter zu kümmern“, sagt er.

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