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Fluglinie auf Sparkurs : Lufthansa bereitet Kündigungen von Piloten vor

Ein Pilot der Lufthansa Bild: dpa

Im Konflikt mit den Piloten geht Konzernchef Spohr offenbar die Geduld aus. Bis zu 1000 von ihnen könnten in der ersten Hälfte 2021 die Kündigung erhalten.

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          Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr verschärft im Konflikt mit den Piloten den Ton. In der Bewältigung der Corona-Krise seien baldige Entlassungen kaum noch vermeidbar. „Mangels Einigung wird es wohl erstmals in der Geschichte unseres Unternehmens im zweiten Quartal 2021 so weit sein, dass uns 500 Kapitäne und 500 Erste Offiziere verlassen müssen“, sagte Spohr der „Wirtschaftswoche“.

          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit gibt es anders als mit Verdi für das Bodenpersonal und mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo für das Kabinenpersonal keine Krisenvereinbarung über das Jahresende hinaus. „Es ist kaum erklärbar, dass hier keine Lösung absehbar ist. Denn es geht ausgerechnet um die Beschäftigtengruppe mit den höchsten Tarifgehältern“, sagte Spohr zum Konflikt mit den Piloten. Er will auch nicht mehr viel Zeit für eine Einigung einräumen. Ursprünglich hatte Lufthansa gefordert, dass eine Übereinkunft zeitgleich mit der Staatshilfe stehen soll. Die Aktionäre billigten das Rettungspaket Ende Juni.

          „Jetzt müssen wir auch in Deutschland mit den notwendigen Anpassungen schneller vorankommen“, erklärte Spohr. An anderen Stellen im Konzern habe man schon viel erreicht. Zum Lufthansa-Konzern gehörten 29.000 Mitarbeiter weniger als zum Jahresbeginn. Allerdings wurden zwei Drittel des Abbaus außerhalb Deutschlands vollzogen, 7500 Stellen hängen mit dem Verkauf des Europageschäfts des Bordverpflegers LSG zusammen.

          Unmut von LSG-Rentnern

          Von dort kommt neuer Unmut. Nach Informationen des „Spiegel“ sollen ehemalige LSG-Beschäftigte im Ruhestand nun ihren Lufthansa-Ausweis zurückgeben, da die Gesellschaft nicht mehr zum Konzern, sondern zum Dienstleister Gategroup gehört. Eine Folge: Sie können dann nicht mehr verbilligte Flüge zu Lufthansa-Mitarbeitertarifen buchen. Ein Ersatzsystem offeriere schlechtere Konditionen. Viele der Ruheständler hätten einen Migrationshintergrund und pendelten in ihre Heimat. Das sei für sie zu regulären Tarifen kaum möglich, heißt es in Arbeitnehmerkreisen.

          Den zweitgrößten Lufthansa-Aktionär, den Unternehmer Heinz Hermann Thiele, dürfte Spohr bei seinem Vorgehen im Pilotenkonflikt auf seiner Seite wissen. Thiele hatte vor einem Monat Tempo angemahnt. „Wenn es nicht kurzfristig zu einer substantiellen Annäherung der Positionen der Tarifpartner kommt, ist die geplante Sanierung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln nicht zu machen", warnte Thiele in der F.A.Z. „Die Lufthansa wird dadurch gezwungen, die nicht mehr zeitgemäßen Tarifvereinbarungen zu kündigen, um dann unmittelbar Kündigungen im großen Stil aussprechen zu können.“

          Spohr kündigte an, 2022 wieder in die Profitabilität fliegen zu wollen. Danach solle es an den Rückzug des Staates, der mit dem Rettungspaket im Sommer größter Aktionär geworden ist, aus dem Konzern gehen. Für die Dauer der staatlichen Stabilisierung sind Zukäufe untersagt. Man habe „mit der Regierung vereinbart, dass ab 2023 ein Ausstieg des Bundes möglich ist. Und ich sich sehe keinen Grund dafür, dass es anders kommen sollte.“ Bis dahin werde man in der Branche wieder Übernahmen sehen.

          Spohr rechnet aber weiter nicht damit, schnell auf Vorkrisenwerte im Geschäft zurückzukehren. Für 2021 erwarte er zwar einen „deutlichen Aufschwung“, die Passagierzahlen blieben aber „noch weit weg vom Niveau des Rekordjahres 2019“. Die Hälfte der damaligen Werte sei erreichbar, im ersten Quartal 2021 weniger, im Sommer und Herbst bis zu 70 Prozent.

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