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Befragung zum Bildungssystem : Die Eltern wollen mehr Ganztagsschulen

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Für die Leistungen der Schulen vergaben die Eltern im Durchschnitt die Note 2,4. Bild: dpa

Viele Eltern wünschen sich mehr und bessere Ganztagsplätze, zeigt eine neue Studie und auch an den Lehrplan haben sie konkrete Wünsche. Inklusion stößt derweil mehrheitlich auf Zustimmung.

          Drei Viertel aller Eltern in Deutschland (72 Prozent) wünschen sich nach einer aktuellen Studie einen Ganztagsschulplatz für ihr Kind - doch nicht einmal die Hälfte (47 Prozent) findet ihn am Ende auch. „Gleichzeitig sehen die Eltern bei den gegenwärtigen Ganztagsschulen teilweise erhebliche Qualitätsdefizite“, sagte der Bildungsforscher Klaus-Jürgen Tillmann von der Universität Bielefeld. Seine am Donnerstag präsentierte vierte „JAKO-O Bildungsstudie“ basiert auf Einschätzungen von 2000 Müttern und Vätern zum deutschen Bildungssystem.

          37 Prozent der Anfang des Jahres repräsentativ befragten Eltern wünschen sich eine bessere individuelle Förderung ihrer Kinder in den Ganztagsschulen. Je 25 Prozent sind unzufrieden mit der Hausaufgabenbetreuung, den Gesprächen zwischen Eltern und Lehrern oder der Verknüpfung von Unterricht und Angeboten außerhalb des Unterrichts. Das Angebot solle unbedingt ausgebaut und die Qualität verbessert werden, denn Ganztagsschulen seien „ein wesentliches Element für mehr Bildungsgerechtigkeit“, betonte Tillmann.

          Inklusion stößt mehrheitlich auf Zustimmung

          Um diese ist es dem Report zufolge aus Elternsicht inzwischen besser bestellt: Zwei Drittel der Mütter und Väter (65 Prozent) sähen die Bildungschancen „sehr gerecht“ oder „eher gerecht“ verteilt, 34 Prozent plädieren für „eher ungerecht“ oder „sehr ungerecht“. 2014 lagen diese Werte noch bei 53 zu 46 Prozent, 2012 bei 50 zu 49. Tillmann zeigte sich überrascht von diesen Ergebnissen. Die Meinungen seien in vielen Bereichen deutlich positiver ausgefallen, als man das angesichts häufig vorgetragener Klagen hätte erwarten können. Angesichts des weiterhin engen Zusammenhangs zwischen Herkunft und Schulerfolg, sei das deutsche Schulsystem aber noch weit davon entfernt, gerecht zu sein.

          Der gemeinsame Unterricht von Kindern mit und ohne Beeinträchtigungen (Inklusion) stößt derweil mehrheitlich auf Zustimmung bei den Eltern. Der Grad der Zustimmung variiert allerdings je nach Art der Behinderung: Gemeinsames Lernen mit körperlich beeinträchtigten Kindern befürworten neun von zehn Eltern (89 Prozent). Bei Kindern mit Lernschwierigkeiten sind 71 Prozent für inklusives Lernen, bei verhaltensauffälligen Kindern 49 % Prozent und bei geistig behinderten Kindern 41 Prozent. Allerdings berichteten nur 21 Prozent davon, dass ihr eigenes Kind auch eine Inklusionsklasse besucht.

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          Mit Blick auf die Integration von Flüchtlingen plädieren 95 Prozent der Eltern für einen möglichst schnellen Schulbesuch. 73 Prozent sind zudem der Ansicht, dass Flüchtlingskinder zunächst in separaten Klassen Deutsch lernen sollen. Von Einschränkungen durch die Integrationsarbeit berichten die meisten Eltern (83 Prozent) dagegen nicht.

          Mit Blick auf den Lehrplan vermissen mit 59 Prozent die meisten Eltern den Bereich „wirtschaftliches Denken und Handeln“. 48 Prozent sehen zudem Nachholbedarf bei Ernährungs- und Gesundheitsthemen, 41 Prozent wiederum bei der Vermittlung von Computer-und Internetkenntnissen.

          Für die Studie durften die Eltern das Bildungssystem auch mit Schulnoten bewerten. Die Leistungen der Schulen (Durchschnitt 2,4) und Lehrer (2,5) bewerten sie dabei viel besser als die Bildungspolitik insgesamt (3,3). Unter den Bundesländern schneidet Bayern (2,9) in puncto Zufriedenheit am besten ab, am schwächsten Berlin (3,9).

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