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Schlechter Service : Corona wird zur liebsten Ausrede

Eine Passantin vor der Skulptur „Out of Order“ des schottischen Bildhauers Mach Bild: dpa

Geschlossene Filialen, lange Wartezeiten, schlechter Service: Corona muss mittlerweile für jedes Versäumnis herhalten. Wann hört das auf?

          6 Min.

          Zeiten der Krise sind immer Zeiten der Ausrede. Auch in dieser Hinsicht hat die Corona-Pandemie ganz besondere Ausmaße angenommen. Natürlich: Corona hat der Welt den schlimmsten Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg beschert, die stärksten Eingriffe in die Freiheitsrechte. All das hatte seine Berechtigung, weil das Virus mit dem Namen „Sars-CoV-2“ ganz besonders tückisch ist. Aber jetzt, da sich zumindest in Deutschland der Staub etwas gelegt hat, darf man sich schon einmal darüber wundern, bei welchen Gelegenheiten Corona noch als Begründung herhalten muss:

          Corinna Budras

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          „Corona“ in Dauerschleife hört der Hotelgast an der Rezeption, wenn die Empfangsdame freundlich darauf hinweist, dass das Zimmer jetzt nur noch alle zwei Tage gereinigt wird, ohne dass sich am Preis etwas ändert. „Corona“ liest der Bankkunde, der im Internet nach der nächstgelegenen Filiale sucht und ein ums andere Mal den Hinweis findet: Vorübergehend geschlossen. „Corona“ tönt die Autowerkstatt, wenn sie in den nächsten drei Wochen keinen freien Termin mehr hat wegen der Kurzarbeit. „Corona“ nennt das marode Unternehmen mit dem überholten Geschäftsmodell als Grund, warum es staatliche Hilfen beantragt. „Corona“ sagt der Mitarbeiter, der sich schon seit Monaten nicht mehr im Büro blicken lässt und auch nicht gedenkt, daran etwas zu ändern. Und „Corona“ hören die Bürger, die wochenlang auf einen Termin im Bürgeramt warten. Nicht in Berlin, dort wäre das nicht der Rede wert, sondern überall zwischen Lünen und Lindau.

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