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Digitalkonferenz DLD : Rifkin und die Revolution

  • Aktualisiert am

Jeremy Rifkin auf der DLD in München. Bild: Picture-Alliance

Er fordert nicht weniger als den kompletten Ausstieg aus der fossilen Energieerzeugung und die Dezentralisierung der Daten: Jeremy Rifkin unterbreitet seine Vision des künftigen Wirtschaftens.

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          Die Zeit der fossilen Brennstoffe läuft aus, an die Stelle tritt ein Netzwerk klitzekleiner eigenständiger Versorger, die mit Wind- und Sonnenenergie für ausreichend Strom und Wärme sorgen. Neben einem intelligenter werdenden Daten-Internet gibt es ein ebenso durch bessere Algorithmen gesteuertes Energie-Internet. Der amerikanische Sozialwissenschaftler Jeremy Rifkin hat auf der Digitalkonferenz DLD in München bekräftigt, dass seiner Ansicht nach eine weitere industrielle Revolution auf dem Weg ist und sein muss – und überdies klargemacht, wer sie umsetzen soll: „Wenn nicht ihr, wer dann?“

          Rifkin mahnte, rasch zu handeln angesichts des voranschreitenden Klimawandels. Er knüpfte an sein im vergangenen Herbst erschienenes Buch über einen „Green New Deal“ an, in dem er schon ausgeführt hatte, wie er sich klimaverträgliches Wirtschaften in der Wirtschaft vorstellt: Vor allem ohne den weiteren umfangreichen Einsatz fossiler Energieträger. Möglich hält er dies vor allem, weil, wie er in München ausführte, Wind- und Solarenergie mittlerweile marktfähig seien, also auch ohne umfangreiche staatliche Unterstützung wettbewerbsfähig. „Der Markt spricht“, sagte Rifkin.

          Rifkin schwebt vor, dass künftig jedes Unternehmen und jeder Haushalt im Grund ein eigener Daten- und Energieproduzent ist, und ein intelligentes Netz automatisch überschüssige Angebote und Nachfragen miteinander in Einklang bringt. Aktuelle Äußerungen aus der Finanzindustrie wertet er als weiteres Zeichen dafür, dass die Zeit der fossilen Energiegewinnung dämmert – jüngst hat beispielsweise Larry Fink, der Vorstandsvorsitzende von Blackrock, dem größten Vermögensverwalters der Welt, in einem Schreiben Unternehmen rund um den Globus zu mehr Engagement für den Klimaschutz aufgerufen.

          Kapital sei ausreichend vorhanden, fügte Rifkin nun seinerseits hinzu. Investoren würden sich auf sogenannte Grüne Bonds stürzen und seien bereit, Entsprechendes auch langfristig zu niedrigen Zinsen zu finanzieren. Zugleich müssten die Staaten sofort den Aufbau und Einsatz etwa weiterer Kohlekraftwerke stoppen, weil sich das ohnehin nicht lohne. Die Angestellten seien zu entschädigen, um sie müsse sich die Politik kümmern.

          Unlängst stellte die neue EU-Kommissionspräsidenten Ursula von der Leyen einen „Green Deal“ für Europa vor, der Klimaziele beinhaltet und außerdem umfangreiche Mittel, um den Übergang zu finanzieren und Folgen abzumildern in betroffenen Regionen. In Deutschland haben sich Bundesregierung und Länder wiederum auf einen Kohleausstiegsplan verständigt - auch dieser beschreibt nicht nur, wann Kraftwerke vom Netz gehen sollen, sondern umfasst ebenfalls ein Milliardenpaket, mit dem Regionen etwa im Osten Deutschlands und Ruhestands-Regelungen für Mitarbeiter mitfinanziert werden sollen.

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