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Überforderte Geburtskliniken : Ihr Kinderlein kommet

Viele Babys liegen zusammen auf der Neugeborenenstation im Krankenhaus St. Elisabeth und St. Barbara in Halle in ihren Bettchen. Bild: dpa

Die Plätze in den Geburtskliniken werden knapp. Das System steckt im Krisenmodus.

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          Seit ein paar Jahren hat die natürlichste Sache der Welt ihre Selbstverständlichkeit verloren. Eigentlich sollte es ein glücklicher Moment sein, wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt. Mit Glück aber hat Gebären in Deutschland nicht mehr unbedingt etwas zu tun. Denn wenn es so weit ist, beginnt für immer mehr werdende Mütter das großen Zittern, ob sie in einem Krankenhaus überhaupt unterkommen.

          Inge Kloepfer

          Freie Autorin in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Bei Katja Dreier, die eigentlich anders heißt, sitzt der Schock immer noch tief. Dabei ist ihr kleiner Sohn schon ein paar Wochen alt. Mitten in der Nacht, wenige Tage nach dem errechneten Geburtstermin fuhr sie mit heftigen Wehen und geplatzter Fruchtblase, aber in froher Erwartung des kleinen langersehnten Jungen zum Frankfurter Bürgerhospital. Dort aber blieben ihr die Türen verschlossen, weil kein Platz im Kreißsaal war. Man sei unterbesetzt, hieß es kurz und knapp. Sie müsse sich bedauerlicherweise an ein anderes Krankenhaus wenden. Dreier und ihr Mann verstanden die Welt nicht mehr. Gut vorbereitet wie sie waren, hatten sie extra ein Krankenhaus mit Kinderstation für den Fall der Fälle gewählt und sich dort angemeldet. Auch die Voruntersuchungen hatten sie dort durchführen lassen. Dreier ist 37 Jahre alt und damit eine Risikoschwangerschaft. Aber das alles zählte in dem Moment nicht. Das Versprechen des Hospitals – „Uns ist wichtig, dass Sie sich bei uns gut aufgehoben fühlen“ – war plötzlich nur noch Schall und Rauch. Hektisch fuhren sie und ihr Mann zur nächsten Klinik, einer ohne Kinderstation und mit weniger guter Reputation. Schön war es dort nicht.

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