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IT-Vorstand für VW gesucht : Blockade in Wolfsburg verhindert Katrin Suder

Katrin Suder im Januar 2020 Bild: EPA

Die ehemalige Staatssekretärin und McKinsey-Beraterin soll von Teilen des VW-Aufsichtsrates abgelehnt worden sein. Für Konzernchef Diess ist das eine herbe Niederlage.

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          Der Querschuss gegen Katrin Suder kam auf den letzten Metern. Und niemand in Wolfsburg will es gewesen sein, die favorisierte frühere Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium als neuen IT-Vorstand verhindert zu haben. „Der Sondierungsprozess läuft und ist noch nicht abgeschlossen“, sagte ein Sprecher des Volkswagen-Aufsichtsrats am Mittwoch auf Anfrage.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Und die Blockade von Suder, die als Topfavoritin für den Vorstandsposten galt: Ist sie wirklich aus dem Rennen? Kocht der Machtkampf zwischen VW-Chef Herbert Diess und dem Betriebsrat des Konzerns wieder hoch? „Gerüchte und Spekulationen kommentieren wir nicht“, lautet die Antwort in Wolfsburg.

          Sicher ist: Volkswagen sucht einen Konzernvorstand für die IT. Das Ressort wird neu geschaffen, und eine Qualifikation dafür gilt als gesetzt: Eine Frau soll den Spitzenposten besetzen. Das bestätigten Aufsichtsratskreise auch am Mittwoch immer wieder. Auch wenn es eine Entscheidung für Suder im Aufsichtsrat noch nicht gab, sie galt als gesetzt – weil Konzernlenker Diess sie als Expertin von außen holen wollte, und auch weil sie die einflussreichen Eigentümerfamilien Porsche und Piech überzeugen konnte.

          Votum kam überraschend

          Offenbar gab es im Aufsichtsrat aber große Bedenken einflussreicher Gruppen, Suder zu berufen. Dass die einstige McKinsey-Beraterin und frühere Staatssekretärin Favoritin des Konzernchefs Herbert Diess war, ist in Wolfsburg ein offenes Geheimnis. Dass das Nein zu Suder wenige Tage nach dem Stabwechsel von Bernd Osterloh zu Daniela Cavallo an der Spitze der Arbeitnehmervertreter in Wolfsburg bekannt wurde, lässt sich auch als eine Machtdemonstration der neuen starken Frau gegenüber Diess lesen.

          Wie schon bei den mit Osterloh auf offener Bühne ausgetragenen Machtkämpfen geht es um die Frage, wer bei Volkswagen in Wolfsburg letztlich die wichtigen Entscheidungen trifft. Der Kulturwandel in Europas größtem Automobilkonzern lässt weiter auf sich warten. Suder hatte in den vergangenen Wochen die bei VW übliche Vorstellungsrunde bei den einflussreichsten Aktionären und bei den Spitzen des Betriebsrats absolviert. Dabei soll ihre Qualifikation überzeugt haben, auch jetzt war auf Nachfrage aus keinem Lager grundlegende Kritik zu hören.

          Dass Suder nicht zur IT-Vorständin berufen wird, hatte das Handelsblatt am Mittwoch berichtet. Danach habe Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch ihr mitgeteilt, dass sich der Konzern gegen sie entschieden habe. Das Votum im Aufsichtsrat kam überraschend, weil Suder nach ihren Einsätzen bei McKinsey und dem Beschaffungsamt der Bundeswehr einschlägige Erfahrungen mit der Erneuerung von IT-Strukturen vorweisen und den dafür nötigen Kulturwandel in Unternehmen auch vorantreiben kann. Kenner des Konzerns gehen davon aus, dass Suder gerade deswegen von Repräsentanten des fein austarierten „Machtsystems Volkswagen“ verhindert wurde.

          Posten soll bis Sommer besetzt sein

          Interne Kritik an Suder habe sich daran entzündet, dass sie in ihrer Zeit als Staatssekretärin im Verteidigungsministerium in die sogenannte Berateraffäre verstrickt war – bei der es um hohe Millionenzahlungen an externe Berater ging. Suder konnten im Zuge der Untersuchungen Verfehlungen nicht nachgewiesen werden. Es habe aber Bedenken gegeben, dass diese Verstrickung dem Unternehmen schaden könne, war im Umfeld des Aufsichtsrats zu hören.

          Für Diess ist es eine herbe Niederlage, dass sich seine Favoritin Suder nicht durchgesetzt hat. Auch für weitere Bewerberinnen, die noch im Rennen sind, birgt der neuerliche Machtkampf in Wolfsburg über die Besetzung von Vorstandsposten Risiken. Sie würden sich damit auseinandersetzen müssen, vielleicht nur zweite Wahl und Vorstand von Gnaden einflussreicher Interessengruppen im Aufsichtsrat zu sein, befürchten jetzt Beobachter. Nach den bisherigen Planungen im Konzern soll der Platz des IT-Vorstandes bis zum Sommer besetzt sein.

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