Günstige Wohnungen : Weniger ist mehr

Sind Enteignungen der Weg zu mehr Wohnraum? Um die Baukosten zu senken, finden sich bessere Ansätze, die mehr Freiheit versprechen.
Der Kauf einer Wohnung oder eines Hauses ist gerade in belebten Regionen Deutschlands kostspielig. Ein Bauherr wünscht sich daher ein günstiges Grundstück, das Bauunternehmen mehr Fördermittel und ein Erwerber eine niedrigere Grunderwerbsteuer. Doch haben sich im Verlauf der Zeit die Standards für Neubauten immer stärker erhöht. Gerade in deren Reduzierung liegt ein gangbarer Weg, um die Wohnkosten zu senken.
Die Bundespolitik hat das schon begriffen: Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) setzt auf den Wohnungsbauturbo und den geplanten Gebäudetyp E, um Vorschriften zu senken. Allerdings führt die Regierung auch zusätzliche Mietregulierungen ein oder verlängert diese. Auf städtischer Ebene verfolgen manche Städte zudem den Ansatz, bei größeren Neubauten eine Tiefgarage, eine Kita oder einen Anteil von Sozialwohnungen vorzuschreiben. Wenn eine Kommune will, kann sie diese Anforderungen zurückdrehen, um den Wohnungsbau anzukurbeln.
In Hessen plant Landeswirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) einen weiteren Schritt, um günstiges Bauen zu ermöglichen: Für mindestens drei Jahre sollen alle eingeführten technischen Baubestimmungen ausgesetzt werden. Das muss sich in der Praxis erst bewähren, aber ist einen Versuch wert, die Kosten herunterzuschrauben.
Andere Bundesländer können sich an dieser Form des Bürokratieabbaus ein Beispiel nehmen. Statt wie in Berlin auf Enteignungen von Wohnungen und Unfreiheit zu setzen, braucht es weniger Vorgaben. Wer mehr Wohnraum schaffen will, sollte mehr Freiheit ermöglichen.






