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Superyacht Wallypower 58 : Dr. Wow treibt es auf die Spitze

Scharfer Bug, schlanke Linie: Wallypower 58 in Gleitfahrt. Bild: Hersteller

Der Yachthersteller Wally hat eine Mission: Immer wieder für Verblüffung sorgen. So wie mit der neuen Wallypower 58.

          6 Min.

          Reiner Zufall? Zwei Militärhubschrauber patrouillieren über der Lagune von Venedig just in dem Moment, in dem die Wally aufkreuzt. Ganz langsam kommt sie näher. In den von Holzpfählen markierten Fahrwassern der Lagune halten sich die meisten Verkehrsteilnehmer penibel an die Geschwindigkeitsbeschränkungen. Bloß die offenbar außerhalb gesetzlicher Bestimmungen operierenden Taxiboote brettern drauflos.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Nicht so die Wally. Die verhält sich brav, obwohl sie aussieht wie der kosmische Jäger der dunklen Materie. Ihr Heranschleichen hat ein Gutes, denn es dehnt sich die Zeit bis zum Eintreffen, was Gelegenheit gibt, die Erscheinung auf sich wirken zu lassen. Welch krasser Gegensatz: Vor der Kulisse der alten, gegen den Verfall kämpfenden Stadt wirkt die metallisch schimmernde Wally noch futuristischer als ohnehin schon. Wie auf Bestellung drehen die Heliko­pter ein paar weitere Runden.

          Ein passendes Geleit: Auch die nagelneue Wallypower 58 hat etwas Militärisches an sich. Bewaffnet ist die 17 Meter messende, knapp 30 Tonnen verdrängende Motoryacht mit einer Aura der Schärfe, die ihresgleichen sucht. Beim Anbordgehen reicht Luca Bassani helfend die Hand und beteuert, er habe keine Luftunterstützung angefordert. Nein, die Hubschrauber seien nicht bestellt gewesen. Zugetraut hätte man es ihm.

          Die nagelneue Wallypower 58 hat etwas Militärisches an sich. Bilderstrecke
          Superyacht : Wallypower 58

          Schließlich ist Bassani der Meister des Wow-Effekts. Seit der Italiener 1994 in Monaco Wally Yachts gründete, fühlt sich das Unternehmen berufen und verpflichtet, „das Unerwartete zu liefern“. Immer wieder mit Innovationen aufwarten, lautet die Mission. Wally hat technische Entwicklungen angestoßen und radikale Wendungen im Design herbeigeführt, anfangs im Segment großer, sportlicher Segelyachten, später auch im Motorbootmarkt. Der Wally-Stil wurde zum festen Begriff in der Branche.

          Klare Formen und auf die Spitze getriebener Minimalismus kennzeichnen eine Wally. Bassani brachte den senkrechten Panzerkreuzer-Steven in Mode, befreite Bootsdecks von technischem Geraffel, ließ unbebaute weite Flächen wirken und technische Systeme im Verborgenen arbeiten. Er setzte frühzeitig auf Kohlefaser-Leichtbau, auf das loftartige, mit sämtlichen maritimen Gepflogenheiten brechende Interieur ebenso wie auf bis dahin ungewohnte, mitunter schockierende Farben. Hydraulische Segeleinstellung per Knopfdruck, Aufhebung der ehemals strengen Trennung zwischen Innen und Außen durch neuartige Raumkonzepte, aufklappende Balkone, tiefergelegte „Meeresterrassen“ am Heck wurden zu Markenzeichen.

          Riesige schwimmende Luxusinseln

          All das fand ungezählte Nachahmer. Jahr für Jahr tauchten in Messehallen und Yachthäfen mehr Produkte auf, die nach Wally aussahen. Das dürfte Bassani geschmeichelt haben, doch schwingt auch Bitterkeit mit, wenn er heute sagt: „Wenn ich all die Kopien sehe, frage ich mich, wie viele Kunden ich deswegen verloren habe.“

          Manche Verrücktheit, aus der am Ende nichts wurde, leistete er sich obendrein, entwickelte Konzepte für Yachten mit starrem Flügelsegel, für riesige schwimmende Luxusinseln, die in Kooperation mit dem Luxusgüterkonzern Hermès entstehen sollten, versuchte mit Brettern aus Karbon den Einstieg ins Skigeschäft.

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