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Zweitliga-Trainer im Gespräch : „Was ich als Trainer fordere, muss ich selbst vorleben“

  • Aktualisiert am

Bester Dinge: „Lilien“-Trainer Dirk Schuster (links) und FSV-Coach Benno Möhlmann über den Dächern von Frankfurt. Bild: Wolfgang Eilmes

Benno Möhlmann und Dirk Schuster zum Start der zweiten Zweitliga-Saisonhälfte über Fallen im Profifußball, nötigen Egoismus im Team und ihre Karrierepläne.

          7 Min.

          Haben Sie in Ihrer langen Trainerkarriere mal über eine Verpflichtung des Spielers Schuster nachgedacht, Herr Möhlmann?

          Schuster: So gut war ich nicht.

          Möhlmann: Ich habe schon Mannschaften gecoacht, die gegen Dirk gespielt haben...

          Schuster: ... ich weiß noch, wie du mit dem HSV bei uns in Karlsruhe mit 4:1 richtig auf die Mütze gekriegt hast. Da bist du 90 Minuten hochemotional an der Seitenlinie auf- und abmarschiert - und warst dann in der Pressekonferenz total sachlich und strukturiert. Und dann kam ganz zum Schluss ein Satz, der bei mir haftengeblieben ist: So ein Scheiß, dass wir uns hier in Karlsruhe das Torverhältnis versaut haben.

          Was haben Sie Ihren Stürmern, die Gegenspieler von Schuster waren, mit auf den Weg gegeben?

          Schuster: Einwurf und Behandlung.

          Möhlmann: Dirk hat ja immer nur zugehauen, wenn er gemerkt hat, dass er zu langsam war.

          Was für Gefahren und Fallen lauern da draußen für einen jüngeren Trainer wie Schuster, denen er in dieser Karrierephase aus dem Weg gehen sollte?

          Möhlmann: Dirk ist ein Trainer, der noch Fußballerblut in sich hat und das hoffentlich nicht verlieren wird. Wichtig ist, den Spaß an der Arbeit zu behalten. Dirk ist keiner, der die Dinge nur in der Theorie angeht und beurteilt. Ich habe zum Beispiel keine optimale Karriereplanung betrieben. Nach meiner Bundesligazeit beim HSV habe ich zu schnell beim Drittligisten Braunschweig unterschrieben, um dessen Ziele anzugehen. Damit habe ich mich aber weit von der Bundesliga ANTWORT: entfernt. Einem Karriereplan folgend, hätte ich damals ein Vierteljahr warten sollen, bis wieder drei entlassen worden sind - und nicht 14 Tage später in der dritten Liga wieder anfangen sollen.

          Haben Sie einen Karriereplan, Herr Schuster?

          Schuster: Mein Ziel ist es, irgendwann ganz oben anzukommen. Wann und auf welchen Wegen - das lässt sich für Trainer wie Spieler nicht planen aufgrund zahlreicher Unwägbarkeiten, die man nicht beeinflussen kann. Zu sagen, in zwei Jahren möchte ich da oder dort sein, macht keinen Sinn. Da spielt auch der Kommissar Zufall eine große Rolle.

          Käme ein Bundesliga-Aufstieg im Mai mit dem SV 98 zu früh?

          Möhlmann: Das ist Quatsch, es kann nie zu schnell gehen.

          Schuster: Wenn man die Chance bekommt, in der ersten Liga zu arbeiten, ist dies ein Traum, der in Erfüllung geht. Warum sollte dies zu schnell gehen? Aber wir sind jetzt in der zweiten Liga als Verein schon überrollt worden von den Anforderungen und arbeiten das nun erst auf.

          Möhlmann: ... wenn die in Darmstadt vernünftig bleiben und der Klub damit zufrieden ist, fünf Jahre in der zweiten Liga zu spielen, sind das doch Top-Voraussetzungen. Und wenn sie davon zwei Jahre in der Bundesliga spielen, umso besser wird die Basis.

          Schuster: Wir werden uns jedenfalls gegen nichts wehren, was uns entgegengelaufen kommt und wofür wir hart gearbeitet haben. Primäres Ziel bleibt bei uns das Erreichen der 40-Punkte-Marke. Die „Lilien“ waren 21 Jahre lang nur unterklassig vertreten. Jetzt kann man wieder stolz auf sie sein, und die ganze Stadt ist euphorisiert. Weitere Jahre in der zweiten Liga zu spielen, die Fernsehgelder mitnehmen, Mannschaft und Infrastruktur zu entwickeln - das wäre für Darmstadt doch überragend.

          Seit anderthalb Jahren geht es mit den „Lilien“ steil bergauf. Fehlt Ihnen im Vergleich zum Kollegen Möhlmann die Krisenerfahrung im Profibereich?

          Schuster: In Darmstadt ja. Aber bei den Stuttgarter Kickers, die ich von der vierten in die dritte Liga geführt habe, war die Geschichte dann im November für mich schon wieder vorbei. Ich habe also erlebt, wenn ein paar Spiele in Folge verlorengehen, viele Steine umgedreht werden, bestimmte Personen starke Eigeninteressen entwickeln und in den Vordergrund schieben. So etwas vergisst man nicht. Auch in Darmstadt wird es nicht immer weiter bergauf gehen können.

          Ist in der Profifußballwelt jeder sich selbst der Nächste? Ist Ihr Weg gepflastert mit menschlichen Enttäuschungen?

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