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Darmstadt 98 : Neue Kämpfer gesucht

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Sieht Magdeburg als das „härteste Los“ im DFB-Pokal: „Lilien“-Trainer Dirk Schuster. Bild: dpa

Auf Dirk Schuster, den Trainer von Darmstadt 98, wartet viel Arbeit bei der Auswahl der Zugänge. Neben dem Können der Kandidaten zählt auch deren Mentalität.

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          Einen umsichtigen Scout hat der SV Darmstadt 98 nicht zur Weltmeisterschaft nach Russland geschickt. Trainer Dirk Schuster und sein Stab schauen vielmehr von der Heimat aus mit Argusaugen hin. Es sei auf jeden Fall „einen Blick über den Tellerrand hinaus wert, wie die Mannschaften bei der WM verteidigen, defensiv arbeiten und schnell nach vorne umschalten“, sagte der 50-Jährige am Sonntag dieser Zeitung. Zu null zu spielen ist ihm ein wesentliches Anliegen bei seiner täglichen Arbeit mit den Fußballprofis. Den Australier Jamie Maclaren, den einzigen in Russland vertretenen „Lilien“-Akteur, bekam Schuster am Samstag vor dem Fernseher nicht spielend zu Gesicht, weil der australische Nationaltrainer Bert van Marwijk für den Offensivspieler beim 1:2 gegen Frankreich keine Verwendung hatte. Ob unter den vielen WM-Protagonisten womöglich auch ein interessanter Kandidat für den deutschen Zweitliga-Klub dabei ist, dieser Frage wich der „Lilien“-Coach geschickt aus. „Ich konnte mir ja noch nicht einen genauen Überblick von allen Mannschaften machen“, sagte er. Die Gruppe G und H starten erst an diesem Montag und Dienstag in den Wettbewerb.

          Apropos starten. Am Dienstag um 14 Uhr beginnen die Darmstädter auf eigenem Terrain mit der Vorbereitung auf die neue Saison, die dann Anfang August mit dem ersten Spieltag aktiv eingeläutet wird. Noch haben sich die Südhessen in Zurückhaltung geübt, was das Setzen neuer Reize im Kader angeht. Linksverteidiger Sebastian Hertner vom Ligarivalen Erzgebirge Aue führt die Liste der Neuzugänge an, weil der 27-Jährige bisher der einzige Neue ist. Vom alten Bestand haben sich Abwehrspieler Immanuel Höhn und Mittelfeldspieler Yannick Stark dazu entschlossen, per Vertragsverlängerung ihre Zusammenarbeit mit dem Zehnten der Vorsaison fortzusetzen. „Zufriedenheit ist noch keine da.“ Die Darmstädter hätten „noch viel Arbeit“ vor sich, äußerte sich Schuster zur To-do-Liste in den kommenden Wochen bis zum ersten sportlichen Ernstfall in der zweiten Liga.

          Beim Start in die neue Zeitrechnung muss Schuster für die Trainingsgruppe am Dienstag nicht den Personalnotstand ausrufen. Auf den ersten Blick mutet die Personaldecke sogar sehr komfortabel an. Aktuell umfasst die Kadergröße laut transfermarkt.de 26 Spieler inklusive der Nachwuchsakteure. Zum Vergleich: Vor einem Jahr unter dem damaligen Trainer Torsten Frings fanden sich nur 14 Spieler am ersten Arbeitstag am Böllenfalltor ein. Mit der gleichen bescheidenen Zahl nahm auch dessen Vorgänger Norbert Meier 2016 die Vorbereitung auf. Doch nicht jeder Spieler, der heute vertraglich den Darmstädtern zugerechnet wird, hat dort sportlich auch eine Perspektive. Namen nannte Schuster am Sonntag keine, entsprechende Verlautbarungen müssten von den Spielern selbst kommen, betonte er. Der Trainer hat diejenigen, die woanders größere Chancen auf Einsätze haben werden und deshalb eine neue Herausforderung suchen sollten, über ihren Status in Kenntnis gesetzt. Zu den prominentesten Streichkandidaten sollen Kevin Großkreutz, Artur Sobiech und Markus Steinhöfer gehören, der 32 Jahre alte Offensivspieler Jan Rosenthal hat bereits sein Karriereende erklärt. Wie viele Neuzugänge am Ende in Darmstadt vorstellig werden, hängt auch davon ab, zu welchen Zukunftsentscheidungen Großkreutz und Co. kommen werden. Zehn neue Spieler würden es aber gewiss nicht werden, sagte Schuster. Zwei in der abgelaufenen Runde etablierte Kräfte würde der Fußballlehrer gerne weiter zur Darmstädter Arbeitsgemeinschaft zählen. Der aus Ingolstadt ausgeliehene Innenverteidiger Romain Bregerie stabilisierte in der zweiten Saisonhälfte, in der die „Lilien“ nur noch 14 Gegentreffer in 16 Spielen – davor waren es 31 in 18 Begegnungen – hinnehmen mussten, den Verteidigungsverbund. Und der Südkoreaner Dong-Won Ji, Leihspieler vom FC Augsburg, belebte mit seinen Möglichkeiten die Offensive der Südhessen.

          „Der Markt ist sehr eng, es gibt sehr viele Mitbewerber“

          „Beide haben uns geholfen“, sagte Schuster. „Wir denken weiter über sie nach.“ Im Fall von Bregerie heißt das wohl: Sollte Ingolstadt den 31 Jahre alten Franzosen, der beim Ligarivalen des SV 98 noch einen Einjahresvertrag besitzt, ablösefrei ziehen lassen, würden die „Lilien“ beherzt zugreifen. Noch sind sie offenbar nicht gewillt, für den Abwehrspieler in die Geldschatulle zu greifen, gehen die Darmstädter doch davon aus, in zwei oder drei Jahren keine Ablöse mehr für Bregerie generieren zu können. Bei Dong-Won Ji dürfte die Sache ähnlich gelagert sein. Ihren ohnehin nicht prall gefüllten Geldbeutel wollen die „Lilien“, bei denen die Ausstiegsklausel ihres Torhüters Daniel Heuer Fernandes zeitlich offenbar abgelaufen ist, nicht strapazieren.

          „Der Markt ist sehr eng, es gibt sehr viele Mitbewerber“, sagt Schuster. „Aber wir sind in guten Gesprächen.“ Seiner Auffassung nach tun die Darmstädter, die erst am letzten Spieltag der Vorsaison den Klassenverbleib sicherstellen konnten, gut daran, intern die Konkurrenz zu erhöhen. „Ein paar Positionen sind noch doppelt zu besetzen.“ Auf der Suche nach qualitativ wertvollem Personal ist dem Trainer auch die Mentalität der Spieler wichtig, am besten sie fallen unter die Rubrik Kämpfer. „Es muss ein gutes Gesamtpaket sein, das zu uns passt“, beschreibt Schuster das Anforderungsprofil der „Lilien, die sich auch noch mit einem Spielmacher und mindestens einem schnellen Flügelspieler verstärken wollen. Denn: „Wir möchten die Mannschaft besser machen, um eine sorgenfreiere Runde spielen zu können.“

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