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Missbrauch im Bistum Limburg : Ohrfeige für das „System Kirche“

Weiß nun, wo es hakt: Günter Bätzing, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz Bild: Wonge Bergmann

Mit einer Projektstudie will das Bistum Limburg weiterer sexueller Missbräuche in der Kirche vorbeugen. Dabei erzwingen die Empfehlungen einen Neustart des Systems an zentralen Stellen.

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          Am besten zusammengefasst hat das Projekt zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Bistum Limburg ein Betroffener. Nachdem er die Dokumentation aus Hunderten von Seiten gelesen hatte, sagte er: „Viele Empfehlungen sollten eigentlich Standard sein.“ In der Tat. Wer sich die Analyse und die Ratschläge der 70 Experten durchliest, schwankt zwischen Rat- und Fassungslosigkeit über den Umgang des Bistums in den vergangenen Jahrzehnten mit diesem so wichtigen Thema.

          In einer Mischung aus Willkür und Wurstigkeit haben sich ranghohe Verantwortliche, aber auch gewöhnliche Kirchenmitarbeiter teils vollkommen verantwortungslos verhalten. Von Gottes Geist keine Spur. Wegschieben, nicht sehen wollen, bloß nicht kümmern – das scheint vielfach das Leitbild gewesen zu sein.

          Liste der Mängel ist lang

          Statt transparent und konsequent mit dem menschenfeindlichen Missbrauch umzugehen, war es Einzelpersonen leicht möglich, viele Fälle zu vertuschen. Mangelhafte Kommunikation, keine Supervision für Priester, keine systematische Kontrolle, unsensibler Umgang mit Betroffenen, keine regelmäßigen Mitarbeitergespräche. Die Liste der Mängel ist lang. Von den keineswegs bistumsspezifischen Großbaustellen wie Pflichtzölibat, Sexualmoral und Klerikalismus ganz zu schweigen.

          Was die Fachleute im Auftrag des Bistums da zusammengestellt haben, ist eine Ohrfeige für das „System Kirche“. Mehr noch. Die Empfehlungen erzwingen einen Neustart des Systems an zentralen Stellen. Um nur einige zu nennen: Priesterausbildung, Verantwortungsethik, Gleichberechtigung, Respekt, Schuldbewusstsein, Sensibilität, Offenheit, permanentes Hinterfragen und Hinzulernen.

          Den Experten, den Betroffenen und der Projektleiterin Dewi Suharjanto gebührt großer Dank für ihre Arbeit. Und auch der Mut der Auftraggeber, der Präsidentin der Limburger Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, und des Limburger Bischofs Georg Bätzing, ist bemerkenswert. Sie haben nun schwarz auf weiß, woran es hakt. Zugleich sollte das Projekt als Maßstab für alle Bistümer gelten.

          Wenn es stimmt, dass die Projektstudie nur „Der Beginn von Ehrlichkeit“ sein soll, wie es bei der Übergabe der Ergebnisse an Betroffene in der Paulskirche hieß, kommt erst jetzt die entscheidende Phase. Das nächste Jahr wird zeigen, wie ernst es Bätzing mit dem Implementieren der teils revolutionären Neuerungen ist. Solange die Empfehlungen nur auf dem Papier stehen, wird kein einziger weiterer Missbrauchsfall verhindert.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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