Radtour und Theater :
Uni Marburg feiert 500 Jahre

Von
Wolfram Ahlers
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Mit Geschichte: die Alte Universität Marburg am Lahntor 3
Mit Geschichte: die Alte Universität Marburg am Lahntor 3Lando Hass

Die Marburger Universität wird 500 Jahre alt. Sie begeht das Jubiläum mit einem vielfältigen Programm. Und dabei soll es vor allem um Zukunftsfragen gehen.

Der Auftakt zum Jubiläum 500 Jahre Marburger Universität, das im nächsten Jahr ansteht, findet schon in diesem Jahr statt. Und das auch nicht in Marburg, sondern im nordhessischen Homberg (Efze). Denn dort wurde 1526 die Homberger Synode abgehalten, in deren Gefolge Landgraf Philipp ein Jahr später in seiner Residenzstadt Marburg die erste protestantische Universität gründete. So macht sich am 13. Oktober in Homberg eine Fahrradstaffel mit Studierenden des dortigen Collegium Philippinum der Hessischen Stipendiatenanstalt auf den Weg nach Marburg, eine Tour, die symbolisch das Reformationsjubiläum in Hessen mit dem Universitätsjubiläum verbindet.

In der Homberger Stadtkirche hatten sich vor einem halben Jahrtausend Vertreter der geistlichen und weltlichen Landstände der Landgrafschaft Hessen versammelt, um zu beraten, ob der protestantische Glaube in der Landgrafschaft eingeführt werden sollte. Dafür hatte sich besonders der Landgraf eingesetzt, der auch Initiator der Zusammenkunft war. Am Ende vermochte Philipp die Mehrheit der Versammelten zu überzeugen: Die Landgrafschaft wurde protestantisch.

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Noch immer die richtigen Fragen stellen

Beim Jubiläum der Marburger Universität soll es aber nicht allein um den Blick auf die Anfänge und die lange Geschichte dieser Hochschule gehen. In erster Linie, so kam die Hochschulgemeinschaft überein, solle das Jubiläum Anlass bieten, sich mit den Einrichtungen der Universität und den Menschen auseinanderzusetzen, die den Universitätsbetrieb in vergangenen Tagen und heute prägen, die in Marburg forschen, lehren, studieren und sich dabei auch mit vielen Zukunftsfragen beschäftigen. Die Bedeutung einer Universität zeigt sich nach den Worten des Marburger Universitätspräsidenten Thomas Nauss, wenn sie auch nach 500 Jahren noch die richtigen Fragen zu stellen vermag.

So haben die Organisatoren zusammen mit der Hochschulgemeinde ein Programm mit vielen Schattierungen zusammengestellt: Studierende, Dozenten und ihre Mitarbeiter, Forscher verschiedener Disziplinen, aber auch Partner außerhalb der Universität gestalten insgesamt rund 300 Veranstaltungen und Projekte. Als eine Art Navigator durch all das führt ein Programmheft, gestaltet vom Künstler Sebastian Peetz, das auch optisch etwas hermacht. Auf der Website www.500Jahre.uni-marburg.de findet sich ein digitaler Veranstaltungskalender, der Einblicke in Geschichte und Hochschulprojekte gibt. Zudem liegt ein Gästebuch als eine Art Mitmachprojekt aus, das aus den dort getätigten Einträgen mithilfe Künstlicher Intelligenz ein Mosaik von Zukunftsversionen für die Universität generiert.

Es wird gefeiert: Der Präsident der Marburger Philipps-Universität, Thomas Nauss, und Vizepräsidentin Evelyn Korn präsentieren das Veranstaltungsprogramm zum Jubiläum der Universität.
Es wird gefeiert: Der Präsident der Marburger Philipps-Universität, Thomas Nauss, und Vizepräsidentin Evelyn Korn präsentieren das Veranstaltungsprogramm zum Jubiläum der Universität.dpa

An Ort und Stelle geht es im Jubiläumsjahr in Hörsäle und Labore, in Bibliotheken und Sammlungen, in Werkstätten und auf Bühnen. Geboten werden Vorträge, Ausstellungen, Gespräche. Künstlerische Akzente setzen Performances und Konzerte. Zudem wird die Philipps-Universität im Jubiläumsjahr zum Stelldichein für die Wissenschaft: Eine Vielzahl von Konferenzen und Tagungen bringt Forscher aus aller Welt und unterschiedlicher Fächer in Marburg zusammen.

Zu den besonderen Projekten zählt unter anderen eines des Theater-Labels „Rimini Protokoll“, bei dem es darum geht, die Universität als sozialen und klanglichen Organismus zu erforschen. Bei „100% Uni Marburg“ stehen 100 Universitätsangehörige stellvertretend für alle auf der Bühne, und die „Philipps Fanfaren“ verwandeln mehr als ein Dutzend Unigebäude in eine Art Klangkomposition. Im Landgrafenschloss ist vom 15. Oktober an eine Ausstellung mit dem Titel „500 Jahre Universität Marburg – was von der Geschichte übrigblieb“ zu sehen, die bis Ende Februar historische Insignien, Urkunden und Dokumente zeigt und einlädt, die Geschichte der Hochschule in all ihren Facetten neu oder wieder zu entdecken.

Einen anderen Zugang zu Geschichte und Gegenwart der Philipps-Universität ermöglicht das Forschungsprojekt „Marburger Wissensräume“, entwickelt von Professor Peter Bell und seinen Studenten. Es beschäftigt sich mit Orten, an denen in Marburg Wissen generiert, vermittelt und diskutiert wird. Per Smartphone werden dabei auch Orte virtuell zugänglich, die es heute nicht mehr gibt, etwa das ehemalige Dominikanerkloster, auf dessen Fundamenten Gebäude der heutigen Alten Universität stehen. Zu Beginn des Jubiläums geht die Plattform mit ersten Inhalten online. Daraus wächst das Projekt im weiteren Verlauf des Jahres Schritt für Schritt um weitere Quellen, Orte und Ergebnisse von Forschungsprojekten.

Natürlich darf es zu einem solchen Anlass auch an Publikationen nicht fehlen. Dazu zählt beispielsweise das Buch „Zeit der Professoren“, worin der Historiker Ulrich Sieg die Geschichte der Philipps-Universität und ihre Protagonisten von der preußischen Annexion 1866 bis zu den Reformen in den Siebzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts nachzeichnet. Ein anderes Projekt wendet sich besonders an Schüler, wobei diese in einem hybriden Escape-Game lernen können, wie man Desinformationen aufdeckt. Und wer sich nicht nur geistig mit der Marburger Uni in Geschichte und Gegenwart beschäftigen will, kann sich bei einer Sportwoche auch körperlich betätigen. Die Jubiläumswebsite gibt zu alldem Informationen und wird laufend aktualisiert.

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