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Landesmuseum in Darmstadt : Feuersturm auf dem Deckengewölbe

  • -Aktualisiert am

Unterwegs im All: Der Flug der Raumsonde Rosetta wird im Landesmuseum multimedial inszeniert. Bild: Michael Kretzer

Wissenschaft kann abenteuerlich sein. Das zeigt das Hessische Landesmuseum in Darmstadt mit der Ausstellung „Rosetta – Europas Kometenjäger“.

          3 Min.

          Das Hessische Landesmuseum hat erstmals in seiner langen Geschichte eine Ausstellung konzipiert, die zum Teil bequem in horizontaler Lage zu genießen ist. Im Großen Saal des Museums, den ein gewaltiges Deckengewölbe umspannt, können Besucher liegend am Himmel den Urknall der europäischen Rosetta-Mission erleben. Der Blick hinauf zur Decke ist zum Filmstart vergleichbar dem Blick ins Innere eines ausbrechenden Vulkans, nur dass der gewaltige und laute Feuersturm nicht aus dem Erdinneren kommt, sondern aus den Antrieben der Trägerrakete Ariane 5, die im März 2004 die Sonde Rosetta mit dem Landegerät Philae ins All beförderte, um die Entstehungsgeschichte unseres Sonnensystems zu erforschen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Rosetta, Philae und der Komet 67P/Tschurjumow-Gerassimenko, der unter dem Namen „Tschuri“ bekannt wurde, sind inzwischen internationale Stars der europäischen Weltraumorganisation Esa. Bei der Präsentation der Ausstellung „Rosetta – Europas Kometenjäger“ sagte die Leiterin der Esa-Kommunikation, Jocelyne Landeau-Constantin, die mediale Wirkung von Rosetta sei unvergleichbar: „Was wir durch diese Mission an Bekanntheit erreicht haben, ist unerhört.“ Umfragen zufolge sei 70 Prozent der Europäer der Name Rosetta bekannt, allein die kontrollierte Landung des Orbiters auf der Kometenoberfläche am 30. September 2016 hätten zehn Millionen Menschen per Livestream verfolgt.

          Kosten für die Mission: eine Milliarde Euro

          Wissenschaft als Abenteuer ist auch das, was das Landesmuseum durch sein multimediales Decken-Filmprojekt zu visualisieren versucht. Technisch gilt der Versuch, eine Sonde auf eine Reise zu schicken, die sie nach sieben Jahren durchs All an einen kleinen Kometen heranführt, den sie zwei Jahre lang umkreist, auf dem sie einen Landeroboter absetzt, um dann nach einer Gesamtflugstrecke von sieben Milliarden Kilometern auf dem Himmelskörper ihr ewiges Grab zu finden, als Geniestreich. Auch wissenschaftlich haben sich die Hoffnungen, mehr über die Entstehung des Sonnensystems zu erfahren, erfüllt, wie der ehemalige Flugdirekter Paolo Ferri gestern versicherte. Bislang seien mehr als 800 fachliche Beiträge publiziert worden. Wobei nach Ferri vor allem eines klargeworden ist: Die Unmenge an Daten, die Rosetta sammelte, stelle die gängigen Theorien der Astronomen in Frage. Vieles müsse neu erklärt werden. Bis alle Daten ausgewertet seien, werde es aber wohl noch fünf bis zehn Jahre dauern.

          Die Rosetta-Mission ist eine Technik-Romanze, die sich emotional leicht erschließt, rational aber herausfordert. Wie etwa lässt sich einem Erdenwesen die gigantische Distanz von sieben Milliarden Kilometern verdeutlichen? Das Landesmuseum versucht es in der Kombination aus Science-Fiction-Bildern und klassischer Ausstellungsdidaktik. Der 30 Minuten lange Deckenfilm nimmt den Zuschauer mit auf die Reise ins All, wo er Planeten, Asteroiden und schließlich Tschuri begegnet, dem farblosen Kometen, der die Gestalt eines Hundeknochens hat und sich um seine eigene Achse dreht. Das hat Kinodramatik, die von drei didaktischen Filmteilen über Technik, Zeit und Raum ergänzt und vertieft wird. Man erfährt beispielsweise, dass die Mission eine Milliarde Euro gekostet hat und wie groß die Summe im Vergleich zu den Ausgaben für die Elbphilharmonie oder den neuen Berliner Flughafen ist. Als Ausstellungsobjekte sind außerdem Nachbildungen der Ariane-Rakete, von Philae, Rosetta und dem Kometen zu sehen.

          Ergänzt wird die Schau durch Objekte, die den Blick in die Vergangenheit erlauben. Wie die stellvertretende Direktorin des Museums, Gabriele Gruber, sagte, war zunächst eine Meteoritenausstellung geplant, ergänzt um Ausstellungsstücke aus dem Physikalischen Kabinett des Darmstädter Universalmuseums. Dann sei man auf die Idee gekommen, Esa auf eine Kooperation anzusprechen. Deshalb sind nunmehr Gegenwart und Geschichte der Himmelsforschung miteinander vereint. Zu sehen sind ein Mars- und Mondmeteorit, der Steinmeteorit „Darmstadt“, der vor 1804 über der Stadt niederging, und der Eisenmeteorit „Unter-Mässing“, der mit 80 Kilogramm Gewicht als größter erhaltener Meteorit Deutschlands gilt. Die meisten Funde stammen aus dem Asteroidengürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter und damit aus der Region, in der Rosetta begann, den Kometen Tschuri zu begleiten. Dass Animation vor 200 Jahren schon eine Rolle spielte, zeigt ein „Astronomisches Versinnlichungswerkzeug“ von 1823 mit einer Sonne, um die Planeten kreisen.

          „Rosetta – Europas Kometenjäger“

          Begleitet wird die Ausstellung im Hessischen Landesmuseum, Friedensplatz 1, durch ein außergewöhnlich großes Rahmenprogramm mit Führungen, Kino, Workshops, Museumsnacht und Vorträgen. Infos unter www.hlmd.de.

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