Notschlafstelle für Jugendliche : „Du schreist eigentlich nach Hilfe, und dann wendest du dich an die Straße“

Drogen, Missbrauch und Gewalt sind Teil ihres Alltags. Die Notschlafstelle in Mainz nimmt Jugendliche auf, die überall sonst rausgeflogen sind. Dort haben sie viele Freiheiten, doch einigen droht das Gefängnis.
Danilo hat einen Betreuer mit dem Arm gegen den Hals an die Wand gedrückt. Tom wechselte teils täglich die Einrichtung, quer verteilt im ganzen Land. Emily ist ständig abgehauen. Und das ist noch ihr kleinstes Problem. Emily steht schon vor dem Eingang der Notschlafstelle. Es ist 15.54 Uhr. Eine gute Stunde muss die Siebzehnjährige noch warten, bis sie ihr aktuelles Zuhause betreten kann. Ihre Wimperntusche ist verschmiert, sie hat Promille im Blut. Um Punkt 17 Uhr klingelt sie an der Tür. Kurze Zeit später sitzt sie am Esstisch, rollt Spaghetti auf ihrem Teller auf und pustet gegen den Dampf. Ihre rechte Hand kann sie vor Schmerzen kaum bewegen: „Hab gegen eine Wand geschlagen.“ Unter dem Tisch wippt sie mit dem Oberschenkel, wirkt abwesend. Auf einer Skala von 0 bis 10 gehe es ihr „20“, sagt Emily. „Richtig scheiße.“ Liebeskummer.
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