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Marburg : Pikantes zur Partikelanlage

Hochmodern, teuer, aber bisher nur für Forschungszwecke eingesetzt: Partikeltherapieanlage in Marburg Bild: Rüchel, Dieter

Hessens Wissenschaftsministerin Kühne-Hörmann muss sich im Landtag abermals zur notleidenden Partikeltherapie in Marburg äußern. Die Anlage soll schon eine Anzahl Mitarbeiter an ein verwandtes Projekt in China verloren haben.

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          Wenn Eva Kühne-Hörmann an diesem Mittwoch vor den Wissenschaftsausschuss des Landtags tritt, dürfte sie sich bohrenden Fragen der Opposition zu zwei Baustellen am Uni-Klinikum Gießen und Marburg ausgesetzt sehen. Es geht um die als „Leuchtturm-Projekt“ geplante Partikeltherapieanlage zur Behandlung bestimmter Tumoren in Marburg und den Stellenabbau an dem 2006 privatisierten Klinikum. Schon vor der Sitzung hat der SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Spies ausgeteilt: Er frage sich, ob die CDU-Ministerin das Thema Partikeltherapie bis zur Landtagswahl „nur aussitze oder tatsächlich keine Ahnung habe“.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Spies bezieht sich auf Angaben, nach denen die von Siemens gebaute Partikelanlage von Oktober an abgebaut werden solle. Siemens hat dies weder dementiert noch bestätigt. Der Vorstand will aber den Ausstieg aus dem Projekt. Schon vor zwei Jahren hatte Siemens die Anlage für 86 Millionen Euro dem Rhön-Klinikum AG als Mehrheitsgesellschafterin des Uni-Klinikums wieder abgekauft. Denn die Maschine lief, vereinfacht gesagt, nicht schnell genug, um die geplanten 2000 Patienten im Jahr behandeln zu können.

          „Kräfte von Marburg nach Schanghai“

          Ob die Marburger Maschine, wie von Rhön und Land erhofft, bis Jahresende noch in den Regelbetrieb gehen kann, ist offen. Die Lage gilt als „unverändert komplex“. Allerdings strebt Rhön aber eine „Rückübernahme“ an, wie Konzernchef Martin Siebert im April sagte. Dass Rhön 86 Millionen Euro zahlen würde, schloss er aber aus. Vielmehr müsste sich Siemens wohl auf 15 Millionen Euro einstellen - zumindest ist diese Summe in einem Papier aus dem Rhön-Konzern vom November 2012 genannt, das der Rhein-Main-Zeitung vorliegt. Darin ist auch die Rede davon, Siemens halte die Behandlung von „bis zu 1000 Patienten pro Jahr (statt bisher 600)“ für möglich.

          Außerdem werden zwei Szenarien zur Inbetriebnahme genannt. Nach der einen Variante fiele in den ersten zehn Jahren ein Defizit von 46,2 Millionen Euro an, nach der anderen ein Minus von 68 Millionen Euro. Beide Summen sind aber geringer als der Nachlass von 107 Millionen Euro, den das Land Rhön beim Kauf des Uni-Klinikums gewährte - in Erwartung der Inbetriebnahme der Partikeltherapie.

          Seit 2011 dient der 90 auf 50 Meter messende Teilchenbeschleuniger der Forschung der Siemens AG, die sich Erkenntnisse für den Betrieb ihrer Partikelanlage in Schanghai verspricht. Wie zu hören ist, soll eine Anzahl von bisher in Marburg beschäftigten Siemens-Kräften schon in Schanghai tätig sein. Den Mietvertrag für den Flachbau, in dem die Marburger Maschine steht, hat der Konzern zum 30. September gekündigt.

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