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Leipziger Straße : „Autofrei durch die Hintertür“

Einkaufsmeile: Passanten auf der Leipziger Straße Bild: Maximilian von Lachner

Auf der schmalen Leipziger Straße kommen sich die Passanten in die Quere. Nun wird eine autofreie Einkaufsstraße gefordert.

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          Eigentlich ist es genau das, was sich die Einzelhändler an der Leipziger Straße in Bockenheim nach der wochenlangen Schließung ihrer Läden wünschen: Viele Kunden bevölkern die Einkaufsstraße. Doch der Betrieb auf der schmalen Straße bereitet neue Probleme: Vor vielen Geschäften stehen Kunden Schlange und warten auf Einlass. Fußgängern, die die Warteschlangen passieren wollen, bleibt auf den Bürgersteigen aber nicht genügend Platz. Passanten, die Abstand wahren wollen, weichen auf die Fahrbahn aus und laufen dabei Gefahr, vor ein Auto oder Fahrrad zu geraten.

          Bernd Günther

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dass es auf der Einkaufsstraße seit den Ladenöffnungen viel zu eng zugehe, haben Bürger und Ortsvertreter in der vergangenen Online-Sprechstunde des Ortsbeirats 2 bereits kritisiert. „Hier muss dringend gehandelt werden“, forderte der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Thomas Gutmann. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Martin Völker sieht den Gesundheitsschutz gefährdet. „Im Grunde müsste die Straße jetzt für den Verkehr gesperrt werden“, sagte Völker und kündigte für die nächste Ortsbeiratssitzung einen Antrag auf Sperrung an. In den vergangenen Wochen habe es mehr Raum zum Ausweichen gegeben, weil die Läden geschlossen waren, weniger Autos auf der Leipziger Straße fuhren und viele Parkplätze nicht belegt waren. Jetzt aber sei das Abstandsgebot schwer einzuhalten. Natürlich gebe es die Schwierigkeit auch auf anderen Einkaufsstraßen, aber auf der Leipziger Straße gehe es besonders eng zu.

          Wirtschaftliche Lage muss beachtet werden

          Ortsvorsteher Axel Kaufmann (CDU) äußerte sich skeptisch: Die wirtschaftliche Lage der Einzelhändler könnte noch prekärer werden, wenn Kunden nicht mit dem Auto anfahren könnten. „Hier soll die Leipziger durch die Hintertür autofrei gemacht werden“, sagte Christian Loose (CDU). Er warnte, dass die Straße so zur Rennstrecke für Radfahrer würde und Fußgänger erst recht gefährdet werden könnten. Lothar Krauß (Die Piraten) schlug vor, zumindest eine Schrittgeschwindigkeit vorzuschreiben.

          Schon vor der Corona-Pandemie war die Einkaufsstraße dem Kundenstrom nicht immer gewachsen. Der Ortsbeirat hatte darum im vergangenen Sommer einen ersten Vorstoß unternommen und gefordert, an Samstagen den motorisierten Verkehr auszusperren. Mit Schranken an den Zufahrten könnte die Straße zur Haupteinkaufszeit von 10 bis 17 Uhr autofrei gehalten werden, hatte Maria-Christina Nimmerfroh (FDP) damals angeregt. Außerhalb der Sperrzeit könnten die Geschäfte vom Lieferverkehr erreicht werden. „Der Vorschlag sollte jetzt umgesetzt werden“, sagte Nimmerfroh bei der Videokonferenz. Doch das Verkehrsdezernat ist noch nicht so weit: Die Initiative, die Einkaufsstraße jeweils samstags zu sperren, werde noch untersucht, sagte Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD). Das Ergebnis stehe noch aus. Der Stadtrat verweist darauf, dass die Verkehrsplaner noch damit beschäftigt seien, die vielen im Radentscheid vereinbarten Maßnahmen zur Förderung des Radverkehrs umzusetzen. Oesterling sieht keine Grundlage dafür, die Leipziger Straße umgehend zu sperren. „Nur weil aktuell mehr Platz benötigt wird, da müsste vieles zugemacht werden“, so der Stadtrat.

          Kai Waibel vom Vorstand des örtlichen Gewerbevereins hofft, „dass der ganze Corona-Spuk bald vorbei ist“. Wenn die Leipziger Straße aber für den Autoverkehr gesperrt würde, wäre das der Untergang der Einkaufsmeile. Davor habe er vor der Pandemie gewarnt und daran habe sich nichts geändert, so Waibel.

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