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Ausstellung in Frankfurt : Wandkäs an Oktopus

Wandkäs: Zu sehen in der Galerie Philipp Pflug Contemporary Bild: Wolfgang Günzel

In der Frankfurter Galerie Philipp Pflug Contemporary gibt es ausgefallene Pop-Objekte zu bestaunen. Frank Brechter zeigt Kunst gewordene Alltagsgegenstände mit Tiefgang.

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          Claes Oldenburg hat es vorgemacht. Mit all den Streichholzbriefchen, Eistüten und Federbällen, mit Werkzeugen und Billardkugeln, die der amerikanische Künstler, ins Monumentale aufgeblasen, in den vergangenen 50 Jahren überall auf der Welt im öffentlichen Raum plazierte. Die fliegende Krawatte in Frankfurt zum Beispiel. Frank Brechter macht es ihm mit seiner ersten, sommerlich erfrischend „Spritzzz!“ überschriebenen Ausstellung in der Frankfurter Galerie Philipp Pflug Contemporary aber nicht wirklich nach. Scheint er doch dem Realismus etwa von Duane Hanson zumindest ähnlich zugewandt.

          Christoph Schütte

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nur dass es nicht Figuren, Putzfrauen, Touristen oder Handwerker sind, die er aus Lack und Harz, aus Gips und Farbe modelliert, sondern Dinge, Tiere und Produkte. Und wenn der 1981 geborene Künstler kalauernd eine gewaltige Scheibe „Wandkäs“ an die Galeriewand nagelt, einen Oktopus baut oder wenn er eine Stubenfliege samt zugehöriger, frei im Raum schwebender „Klatsche“ installiert, dann ist das den Kunst gewordenen Alltagsgegenständen, mit denen Oldenburg zu einem der erfolgreichsten Pop-Artisten überhaupt geworden ist, zwar durchaus verwandt. Das anekdotische, ja dramatische Potential aber von „Stubenfliege“ und „Klatsche“ etwa ist ein anderes.

          „Ich hab die Patsche, und du bist der Brummer“, kann man mit Robert Gernhardt denken, „du oder ich, tut mir leid, meine Liebe.“ Und immerhin, das Insekt hält hübsch still. Allein, wer traute sich, die gut und gerne vier, fünf Meter lange mörderische Waffe mit dem erforderlichen Wumms und der gebotenen Präzision zu führen? Und was, wenn man das Viech verfehlte? Wie bei Gernhardt? Die Fliege aber, als sei nichts gewesen, sitzt in der Galerie ungerührt noch immer an der Wand.

          Spritzzz!

          Die Ausstellung in der Frankfurter Galerie Philipp Pflug Contemporary, Berliner Straße 32, ist bis 1. August dienstags bis freitags von 12 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet.

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