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Judith Butler : Heftiger Streit um Adorno-Preisträgerin

Judith Butler ist 56 Jahre alt und lehrt Rhetorik und Literaturwissenschaft an der University of California. Bild: ullstein bild

Die Jüdische Gemeinde Frankfurt und der Zentralrat der Juden in Deutschland wollen den Festakt zur Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises der Stadt Frankfurt boykottieren. Grund ist die Preisträgerin.

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          Die Jüdische Gemeinde Frankfurt und der Zentralrat der Juden in Deutschland wollen den Festakt zur Verleihung des Theodor-W.-Adorno-Preises der Stadt Frankfurt am 11. September boykottieren. Vermutlich werde kein offizieller Vertreter des Judentums in die Paulskirche kommen, sagte der Frankfurter Gemeindevorsitzende Salomon Korn, der auch Vizepräsident des Zentralrats ist. Mit ihrem Fernbleiben wollen Gemeinde und Zentralrat ihr Missfallen über die Wahl der Amerikanerin Judith Butler zur diesjährigen Preisträgerin ausdrücken. Sie werfen der Philosophin und Literaturwissenschaftlerin Antisemitismus vor. Butler bekämpfe Israel und legitimiere die Terrororganisationen Hamas und Hizbullah.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein Sprecher des Zentralrats nannte Butler, die selbst Jüdin ist, eine „bekennende Israel-Hasserin“ und bezeichnete die Amerikanerin als moralisch verdorben. Man dürfe und solle die Politik Israels kritisieren, fügte Korn gestern hinzu. Doch müsse man die Verhältnismäßigkeit wahren. Dies habe Butler mit ihrer Kritik nicht getan. „Wir haben große Bedenken gegen die Preisträgerin“, so Korn.

          Protestkundgebung geplant

          Frankfurts Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU), der dem Adorno-Preis-Kuratorium angehört und der in der entscheidenden Sitzung den Vorsitz hatte, nannte die Kritik verständlich, sie könne aber kein Grund sein, die Entscheidung eines unabhängigen Kuratoriums zurückzunehmen. Man würdige das Werk Butlers, die als Philosophin wichtige Beiträge zur Geschlechterforschung und zur Moralphilosophie vorgelegt habe, an einer Eliteuniversität lehre und in Frankfurt schon einmal die Adorno-Vorlesungen gehalten habe, sagte Semmelroth. Keinem der Kuratoriumsmitglieder, zu denen unter anderen die Philosophen Axel Honneth und Rainer Forst sowie die Schriftstellerin Marlene Streeruwitz zählen, könne man eine Nähe zu antisemitischen und antiisraelischen Positionen nachsagen.

          Zu einer Protestkundgebung auf dem Paulsplatz am Tage der Preisverleihung hat unterdessen ein Aktionsbündnis mit dem Namen „Kein Adorno-Preis für Antisemiten“ aufgerufen. Getragen wird es unter anderem von der Frankfurter Internetplattform „Honestly Concerned“, die seit Jahren antisemitische Erscheinungen publik macht, und von der Prozionistischen Linken Frankfurt. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, dass sich Judith Butler in jüngster Vergangenheit an diversen Kampagnen zur Delegitimierung des Staates Israel beteiligt habe. Unter anderem sei sie eine der führenden Aktivisten der 2005 gegründeten „Campaign of Boycotts, Divestment and Sanctions against Israel“ und habe selbst zu einem Boykott der akademischen und kulturellen Institutionen Israels aufgerufen.

          Preis ist mit 50.000 Euro dotiert

          Ausgerechnet die „Todfeinde des jüdischen Staates“, die Terrororganisationen Hamas und Hizbullah, die sich die Vernichtung Israels und die Vertreibung der Juden aus dem Nahen Osten zum Ziel gesetzt hätten, habe Butler als „progressive linke Bewegungen“ bezeichnet, kritisiert das Aktionsbündnis weiter. In perfider Verdrehung der Realität verharmlose Butler „diese antisemitischen Mörderbanden“. Butler hat angesichts dieser Vorwürfe mittlerweile mitgeteilt, dass sie sich gegen jede Gewalt ausspreche.

          Ihre Kritiker sehen in der Preisverleihung zudem eine Verhöhnung des Namensgebers des Preises. Adorno, verfolgt nach den Rassegesetzen der Nazis, habe sich nicht nur ins Exil retten müssen, er sei auch seiner Möglichkeit, akademisch zu lehren, beraubt worden, weil er als Jude gegolten habe.

          Der mit 50.000 Euro dotierte Adorno-Preis ist 1977 von der Stadt Frankfurt gestiftet worden. Er soll an den aus Frankfurt stammenden Philosophen erinnern und wird alle drei Jahre für eine besondere Leistung auf dem Feld der Philosophie, der Musik, des Theaters oder des Films verliehen. Preisträger waren bisher unter anderen Jürgen Habermas und Norbert Elias, zuletzt im Jahr 2009 war es Alexander Kluge.

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