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Rhein-Main-Gebiet : Hier fährt die unpünktlichste S-Bahn Deutschlands

  • -Aktualisiert am

Drunter und drüber: Die S-Bahnen im Rhein-Main-Gebiet sind einer Studie zufolge besonders unpünktlich. Bild: dpa

Jede zehnte S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet fährt zu spät ab oder kommt zu spät an. Damit liegt die Region bei der Pünktlichkeitsrate deutschlandweit ganz hinten. Woran liegt das?

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          Im Rhein-Main-Gebiet sind die S-Bahnen so häufig verspätet wie sonst nirgendwo in Deutschland. Die sogenannte Pünktlichkeitsrate beträgt nach den Statistiken des Rhein-Main-Verkehrsverbundes nur 90 Prozent. Das bedeutet, dass jede zehnte S-Bahn zu spät ankommt oder abfährt. Dagegen weisen die S-Bahnen in Hamburg und Stuttgart eine Pünktlichkeitsrate von 97 Prozent auf. In München ist die S-Bahn immerhin noch bei 96 von 100 Fahrten pünktlich, in Berlin bei 95 von 100.

          Eine wichtige Ursache für das schlechte Abschneiden der hiesigen S-Bahn liegt darin, dass Frankfurt/Rhein-Main der am höchsten belastete Bahnknoten Deutschlands ist. Die S-Bahn muss sich in vielen Fällen die Gleise mit dem Fern- und Güterverkehr der Deutschen Bahn AG teilen. Die Fernzüge haben dabei Vorrang vor den S-Bahnen, die warten müssen, bis die Gleise wieder frei sind.

          Die Situation soll sich in Zukunft verbessern

          Nur 35 Prozent der Schienenstrecke der S-Bahn Frankfurt/Rhein-Main werden allein von den S-Bahnen befahren. Auf 65 Prozent der Gleise herrscht dagegen ein Mischverkehr mit Fernzügen und Güterzügen. Andernorts ist der Anteil der eigenen S-Bahn-Gleise viel höher: In Berlin fahren die S-Bahnen nur auf eigenen Gleisen, in Hamburg liegt der Anteil der reinen S-Bahn-Gleise bei 79 Prozent, in Stuttgart bei 63 Prozent und in München bei 59 Prozent. Der geringe Anteil der systemeigenen Schienen verursacht nach Ansicht des RMV die Unpünktlichkeit der hiesigen S-Bahn.

          Verbessern soll sich die Situation durch den viergleisigen Ausbau der Schienenstrecke Frankfurt West – Bad Vilbel – Friedberg, durch den Bau der Nordmainischen S-Bahn und der Regionaltangente West. Für den Bau eines eigenen Gleises für die S6 nach Friedberg besteht Baurecht von Frankfurt bis Bad Vilbel, mit der Eröffnung der Strecke ist bis 2022 zu rechnen. Bei der Nordmainischen S-Bahn läuft das Planfeststellungsverfahren für drei Abschnitte, vor 2025 ist aber eine Inbetriebnahme nicht zu erwarten. Seinen Anfang soll das Planfeststellungsverfahrens für die Regionaltangente Ende 2016 nehmen.

          Eine Störung wirkt sich schnell auf das ganze Netz aus

          Pünktlich bedeutet im S-Bahn-System des RMV keineswegs, dass die Züge auf die Minute genau ankommen. Verspätet sich eine S-Bahn um 5.59 Minuten, gilt sie nach der Statistik immer noch als pünktlich. In den Verträgen zwischen dem RMV als Besteller der S-Bahn-Leistungen und der Bahn als beauftragtem Eisenbahnunternehmen ist aber Pünktlichkeit neu definiert worden. Jetzt gilt ein Zug schon als verspätet, wenn er drei Minuten später eintrifft als im Fahrplan vorgesehen. Würde dieser vertraglich gültige Wert der Statistik zugrunde gelegt, läge die Pünktlichkeitsrate in Rhein-Main klar unter 90 Prozent.

          Die extrem hohe Auslastung des Schienennetzes in Rhein-Main führt dazu, dass eine Störung sich schnell auf das ganze Netz auswirkt. Eine Verspätung zieht nicht nur die nächste nach sich, oft addieren sich diese Verspätungen auch. Wenn morgens eine Bahn in Rückstand gerät, ist die sich im Netz ausbreitende Verspätung oft bis zum Betriebsende in der Nacht nicht mehr auszugleichen. Die hohe Auslastung der Züge, die in Stoßzeiten bis auf den letzten Platz gefüllt sind, bewirkt häufig Verzögerungen beim Ein- und Aussteigen an den einzelnen Stationen. Auch dies ist eine Ursache für die mangelhafte Pünktlichkeit.

          Noch wichtiger aber dürften die jahrelange Vernachlässigung der Wartung und Pflege des Schienennetzes sowie der Personalmangel bei der Bahn sein. Dazu kommt, dass die Stellwerke nicht für die heutige Belastung ausgelegt sind. Werden sie modernisiert, kommt es während der Bauarbeiten schnell zu zusätzlichen Verspätungen. Wegen des Neubaus eines Stellwerks für den S-Bahn-Tunnel unter der Frankfurter City, durch den fast alle S-Bahnen fahren müssen, musste dort der S-Bahn-Verkehr in den Sommerferien sogar einen ganzen Monat lang ruhen. Der nächste Stop steht im Frühjahr an, dann fährt während der Osterferien zwei Wochen lang keine Bahn durch den Tunnel.

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