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Frankfurter Feinstaub-Pläne : E-Bike statt Motorroller

Umweltfreundlich: E-Rad Bild: dpa

Neue Pläne aus dem Frankfurter Römer gegen die allgemeine Ratlosigkeit in Sachen Feinstaub: Die Koalition schlägt eine „Umstiegsprämie für Mopeds, Roller und Kleinkrafträder“ vor.

          Ganz Deutschland doktert seit einem Jahrzehnt am Feinstaub-Problem herum. In Frankfurt hat die Regierungskoalition von CDU, SPD und Grünen nun den Königsweg gefunden: Er lautet „Umstiegsprämie für Mopeds, Roller und Kleinkrafträder.“ Allerdings bekommen natürlich nicht die Roller und Mopeds die Prämie in Höhe von 500 Euro, sondern deren Fahrer. Und zwar dann, wenn sie ihre Vespa oder ihr Puch-Mofa stehen lassen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Fragt sich nur, womit sie dann durch die Stadt düsen sollen. Aber auch daran haben die Feinstaub-Krieger im Römer selbstverständlich gedacht: mit einem Zweirad mit Elektromotor, zu Neudeutsch E-Bike. Wer ein solches erwirbt und dafür sein Moped oder seinen Roller verschrotten lässt, der möge von der Stadt die besagte 500-Euro-Prämie erhalten, schlagen die Koalitionäre in einem Antrag vor. In Tübingen wird das schon gemacht, und weil die Tübinger einen Oberbürgermeister von den Grünen haben, können auch die Frankfurter Grünen der Idee zustimmen – obwohl sie eigentlich viel lieber die Autofahrer zu Tempo 30 auf allen Stadtstraßen verdonnern würden und Vespas im Grunde ihres Herzens cool finden.

          Umtauschprämie für Dieselfahrer?

          Doch in der Koalition sind die schicken Motorroller nicht wohlgelitten. Sie stoßen Abgase aus und verpesten die Stadt. Eine Studie des Schweizer Paul-Scherrer-Instituts belegt laut Koalition, dass Kleinkrafträder 53 bis 771 Mal mehr Feinstaub bildende Aerosole ausstoßen als andere Kraftfahrzeuge. Wenn man diese verdammten Mopeds und Roller also endlich von der Straße bekommen würde, verringerte sich die Stickoxid-Belastung an der Friedberger Landstraße wohl bestimmt um sieben Mikrogramm auf den erlaubten Wert von 40. Und dann, so glauben die Koalitionäre, würde sich auch ein Fahrverbot für Dieselautos erübrigen – und die Automobilkonzerne müssen nicht ihre alten Diesel-Dreckschleudern für teures Geld umrüsten.

          Vielleicht sollten die Römer-Koalitionäre aber noch mutiger werden und zum ganz großen Schlag ausholen. Wie wäre es mit einer Umtauschprämie für Dieselfahrer, die ihren alten Volkswagen oder Opel verschrotten? Die Stadt könnte ihnen im Gegenzug Geld für einen Tesla geben. Wir wären jedenfalls dabei.

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