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Eintracht Frankfurt : Zeit für die ersten Abschiede

Stehen für die Schattenseiten des Erfolgs: Vaclav Kadlec wie auch seine Kollegen Jan Rosenthal und Johannes Flum. Bild: Wonge Bergmann

Kaum war der Rausch vom 4:4 gegen Berlin verflogen, geht es bei Eintracht Frankfurt um die Zukunft – die womöglich ohne Profis wie Kadlec, Flum und Rosenthal gestaltet wird. Piazon erhält Rückendeckung.

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          „Der Ball bleibt weg!“ Bei der Planung der kommenden Woche hat Bruno Hübner eine ziemlich konkrete Vorstellung, was auf dem Programm stehen soll – und was nicht. Zusammen mit der Familie fährt der Sportdirektor der Eintracht nach dem letzten Hinrunden-Spiel der Frankfurter über Weihnachten in die Alpen. Er freue sich darauf, sagte der 53-Jährige, „die Ski rauszuholen und mal ein wenig abzuschalten“. Wobei es schwer vorstellbar scheint, dass dem ehemaligen Stürmer im Kreis von Frau und Kindern tatsächlich das Kunststück gelingen sollte, mal keinen Gedanken ans Fußballgeschäft zu verschwenden; auch seine drei Söhne Benjamin (FC Ingolstadt), Christopher (SV Wehen-Wiesbaden) und Florian (SV Sandhausen) verdienen ihren Lebensunterhalt schließlich wie einst der Vater als Profi. Hübner sagt, er wolle fern der Heimat den „Akku aufladen“ – nach einem halben Jahr, das mit Trainerwechsel, Verletzungen und dem Umbau des Kaders „turbulent in allen Bereichen“ gewesen sei. Jüngstes Beispiel: das 4:4 der Eintracht am Mittwochabend gegen Hertha BSC Berlin.

          „Wie die Mannschaft nach vorne arbeitet und nie aufgibt, ist schon toll“, urteilte Hübner in der Nachbetrachtung, sagte aber auch, dass ihn das Finale furioso Nerven gekostet habe. Nach dem Schlusspfiff verteilte das Team bei einer Ehrenrunde Weihnachtsgeschenke an die Zuschauer – und dass dabei viel gelacht wurde, war bis unmittelbar vor Abpfiff nicht zu erwarten. Mit einem Kraftakt und dank der Kaltschnäuzigkeit Alexander Meiers sicherte sich der Tabellenneunte das Unentschieden. Schaaf lobte am Donnerstag das „andere Auftreten“, das inzwischen von seiner Mannschaft zu sehen sei. „Es ist nicht mehr ein großes Fragezeichen, wenn sie auf dem Platz steht, sondern ein Ausrufezeichen.“

          Viel Arbeit in der Winterpause

          Der Coach bemängelte in seiner Analyse aber auch: „Wir wollen Spektakel, und das war mir schon ein bisschen zu viel.“ Nach vorne präsentierte sich sein Team mit fulminanter Durchschlagskraft, in der Verteidigung dagegen anfällig. Vor allem beim Verteidigen von Freistößen und Eckbällen mangelte es der Eintracht an Abwehrkraft, wovon Brooks (21.), Ben-Hatira (33.) und Niemeyer (80.) profitierten; zudem überwand Schieber Ersatz-Keeper Timo Hildebrand (37.). „Das ist einfach unbeschreiblich bei Standardsituationen“, bemängelte Stefan Aigner, der mit seinem Anschlusstreffer vor der Pause die Aufholjagd einleitete (43.), die Haris Seferovic (58.) und Alexander Meier (90., 90.+1) vollendeten. Hübner meinte nach der finalen Heimpartie des Jahres: „Bei uns wird dir nie langweilig.“

          In der Winterpause, die bis zum 31. Januar dauert, gebe es „viel aufzuarbeiten“ und die „ein oder andere Baustelle“ aufzuräumen. Zu klären sei vor allem, wer von den Rekonvaleszenten wann und in welcher Verfassung zurückkomme. „Wenn es optimal läuft“, so Hübner, „müssen wir nichts machen. Wir glauben an die Mannschaft, so wie wir sie zusammengestellt haben.“ Auch Schaaf sagte, Ziel sei es, „das Team zu festigen“ und das „emotionale Hin und Her“ abzustellen. Zuversichtlich stimme ihn die „positive Einstellung“ seiner Mitstreiter, die dazu führe, dass ihm auch in sportlich komplizierten Phasen nie Zweifel gekommen seien: „Ich wäre unruhig geworden, wenn ich gesehen hätte, dass die Mannschaft nicht arbeitet. Aber sie hat sich nicht einmal gehenlassen.“

          Piazon mit „hammermäßigem Potential“

          Noch ist nicht absehbar, wann Kevin Trapp (Syndesmoseriss) und Carlos Zambrano (Innenbandriss), mit denen parallel über eine vorzeitige Vertragsverlängerung verhandelt wird, wieder voll belastbar ins Training einsteigen können; Gleiches gilt für Constant Djakpa und Nelson Valdez nach ihren Kreuzbandrissen. Wenn es notwendig sei, werde der Verein nach Silvester prüfen, welche Optionen sich auf dem Transfermarkt böten. „Und wenn es sinnvoll erscheint, werden wir vom Vorstand sicher das Einverständnis erhalten“, gab sich Hübner sicher.

          Gesundheitliche Probleme: Johannes Flum hat in dieser Saison bisher noch keine große Rolle gespielt.
          Gesundheitliche Probleme: Johannes Flum hat in dieser Saison bisher noch keine große Rolle gespielt. : Bild: Wonge Bergmann

          Durch eine Sonderzahlung der Deutschen Fußball Liga, mit der die internationalen Fernsehpräsenz honoriert wird, kann sich die Eintracht über einen Bonus in siebenstelliger Höhe freuen. Außerdem hat sich durch gespartes Gehalt an die vielen Patienten und Verletzten, die stattdessen von der Berufsgenossenschaft bezahlt wurden, Spielraum ergeben. Hübner sprach von „dramatischen Einsparungen“. Weitere seien denkbar, wenn sich die Wege von Jan Rosenthal, Johannes Flum sowie Vaclav Kadlec und der Eintracht trennen. Er sei in Gesprächen mit den Beratern und strebe „bis zum Rückrundenstart Lösungen an“, die beiden Seiten weiterhelfen sollen. Rosenthal und Flum haben durch gesundheitliche Rückschläge in dieser Runde noch keine Rolle gespielt, Kadlec kam nur auf drei Kurzeinsätze. In seinem Fall deutete Hübner an, könne ein Ausleihgeschäft „eine sinnvolle Option sein“. Der Tscheche besitzt in Frankfurt noch einen Vertrag bis 2017. „Grundsätzlich glauben wir schon, dass er eine große Qualität hat, mit der er uns weiterhelfen kann. Aber Meier und Seferovic machen es vorne gerade richtig gut.“

          Uneingeschränkter Wertschätzung erfreut sich dagegen Lucas Piazon – ungeachtet seines bislang mäßigen Auftretens. Der Brasilianer sei ein „Riesenspieler“, betonte Schaaf. Er gehe „jeden Kampf ein“, um dessen Kritiker umzustimmen. „Ich glaube an diesen Jungen“, sagte der Trainer, der spekuliert, Piazon über den Sommer hinaus an die Eintracht binden zu können. Der 20-Jährige habe „hammermäßiges Potential“. An diesem Samstag in Leverkusen (15.30 Uhr) könnte er es wohl von Beginn an zeigen: Als Ersatz für den gelbgesperrten Aigner ist Piazon die erste Option für das rechte Mittelfeld.

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