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Demo zur Erinnerung : „Viele rechte Anschläge“

Demonstration in Wächtersbach: Teilnehmer einer Kundgebung gegen rechten Terror im vergangenen Jahr Bild: dpa

Mit einer Kundgebung des Bündnisses gegen rechten Terror Hessen ist in Wächtersbach an die Schüsse auf einen Asylbewerber erinnert worden. Das Bündnis will auch auf andere rassistisch motivierte Taten aufmerksam machen.

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          Am Jahrestag des Angriffs auf einen Asylbewerber aus Afrika in Wächtersbach im vergangenen Jahr ist mit einer Kundgebung an die rassistische Tat erinnert worden. Auf dem Bahnhofsvorplatz versammelten sich am Mittwochabend rund 60 Menschen, dazu aufgerufen hatte das Bündnis gegen rechten Terror Hessen, das sich im vergangenen Jahr auf diese Tat hin gegründet hatte. In der Mittagszeit des 22. Juli 2019 war der damals 26 Jahre alte Bilal M. aus Eritrea auf der Industriestraße in Wächtersbach aus einem Auto heraus beschossen worden. Drei Schüsse trafen ihn in den Bauch, der Mann wurde schwer verletzt und überlebte nur dank einer Notoperation.

          Jan Schiefenhövel

          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Schütze, der 55 Jahre alt Roland K., wurde einige Stunden später tot in seinem Auto in Biebergemünd gefunden, er hatte sich selbst erschossen. Schon die ersten Ermittlungen zeigten, dass die Tat aus fremdenfeindlichen Motiven heraus begangen worden war. Der Täter hatte das Opfer allein wegen seiner Hautfarbe ausgesucht.

          Redner fordern Rücktritt des hessischen Innenministers

          Das Wächtersbacher Attentat auf den Eritreer sei nur eine Tat von vielen Anschlägen rechter Täter, es gehöre in eine Reihe mit dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, dem Angriff auf die Synagoge in Halle und der Terrornacht in Hanau im Februar, sagte Clara Latour vom Bündnis gegen rechten Terror Hessen. Die Gefahr durch rassistische Täter werde nicht ernst genug genommen. Wer bedroht werde, erhalte keinen Schutz. Was Politiker nach Anschlägen sagten, seien „Versprechungen, die wir nicht mehr ernst nehmen können“, sagte Latour. „Im Kampf gegen Nazis kann man sich nicht auf den Staat verlassen.“

          Andere Redner äußerten sich ähnlich und forderten den Rücktritt des hessischen Innenministers Peter Beuth (CDU). Sie beklagten, dass Menschen mit ausländischen Wurzeln aufgrund ihres Aussehens Verachtung zu spüren bekämen, auch wenn sie in Deutschland aufgewachsen seien. Rassismus beginne nicht erst mit Schüssen, sondern mit Pöbeleien auf der Straße.

          Am Rand der Kundgebung nahm die Polizei nach ihren Angaben einen 47 Jahre alten Mann fest, der den rechten Arm zum Hitlergruß erhoben hatte. Der Betrunkene wurde zur Ausnüchterung in Gewahrsam genommen.

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