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Bürgergespräch : „Wir können Frankfurts Straßen nicht verbreitern“

Diskussionsfreudig: Verkehrsdezernent Klaus Oesterling, IHK-Geschäftsführer Alexander Theiss, ADFC-Geschäftsführer Norbert Sanden und Handwerkkammerpräsident Bernd Ehinger (von links) im Gespräch mit Manfred Köhler (F.A.Z.) Bild: Wolfgang Eilmes

Im Bürgergespräch dieser Zeitung mit dem Titel „Alle Macht den Radlern?“ geht es um die Zukunft des Verkehrs, die Aufteilung der Straßen und das drohende Diesel-Fahrverbot.

          Alle Macht den Radfahrern? Von einem solchen Zustand, dies dürfte den 200 Besuchern des Bürgergesprächs der F.A.Z. über die Verkehrswende in Frankfurt in der Oper am Dienstagabend schnell klargeworden sein, ist die Stadt noch weit entfernt.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Denn das Radwegenetz, so sieht es jedenfalls Norbert Sanden, der Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Hessen (ADFC), ist immer noch Stückwerk, obwohl in den vergangenen Jahren einiges für dessen Ausbau getan worden sei. Weiterhin brächen Radwege plötzlich irgendwo ab, seien Radwege von Autos und Transportern zugeparkt. „Es wäre schön, wenn die Teilstücke zusammenkämen“, ließ Sanden Manfred Köhler (F.A.Z.), der die Veranstaltung moderierte, wissen.

          Die Teile zu einem Ganzen zusammenfügen: Das ist klar die Aufgabe des Verkehrsdezernenten Klaus Oesterling (SPD). Seine Vorgänger Lutz Sikorski und Stefan Majer (beide Die Grünen) hätten es leichter gehabt als er, skizzierte Oesterling in seiner ironischen Art die Lage. Sie hätten einfach alle weiße Farbe in der Stadt aufgekauft und mit ihr Radwege auf die Fahrbahnen pinseln lassen. Die schwierigen Fälle, in denen man teure bauliche Änderungen vornehmen müsse, hätten seine Vorgänger ihm hinterlassen: zum Beispiel den Baseler Platz und die Friedberger Landstraße.

          Über sie, die Friedberger Landstraße, wird denn auch seit Wochen gestritten. Nach einem tödlichen Radunfall am Börneplatz hat Oesterling bis hoch zur Konstablerwache einen Radstreifen abmarkieren lassen und damit den Autofahrern eine der beiden Fahrspuren weggenommen. Der Dezernent möchte nun entlang der gesamten Friedberger Landstraße bis zur Friedberger Warte einen durchgehenden Radweg schaffen, wodurch für den Autoverkehr auf dieser wichtigen Einfallstraße an einigen Stellen die zweite Spur entfallen würde.

          Handwerkspräsident kann Plan nichts abgewinnen

          Handwerkspräsident Bernd Ehinger kann diesem Plan wenig bis gar nichts abgewinnen. Mit der Wegnahme einer Autospur würden künstlich Staus produziert, wodurch nicht zuletzt mehr Abgase in die Luft geblasen würden, klagt er. Auch von der geplanten Sperrung der Mainuferstraße für den Autoverkehr zugunsten des Radverkehrs und der Fußgänger hält Ehinger herzlich wenig. Er plädierte für gemeinschaftliche Lösungen, die einen fairen Ausgleich schafften: „Wir müssen uns alle zusammensetzen.“

          Die Industrie- und Handelskammer ist, glaubt man ihrem Geschäftsführer Alexander Theiss, sehr für das Rad. Für kurze Strecken sei es ein gutes Fahrzeug. Doch Frankfurt brauche nicht nur eine Stärkung des Radverkehrs, sondern aller Verkehrsmittel. Die Mainmetropole stehe mit ihren 450.000 Pendlern am Tag, mit vollen Bahnen und einem drohenden Diesel-Fahrverbot vor einem riesigen Problem: „Die Leute müssen doch zur Arbeit und zum Einkaufen in die Stadt fahren können.“

          Selbst der Fahrrad-Club ist nicht grundsätzlich gegen den Autoverkehr. „Aber wir wollen nicht, dass Leute mit Zweitonnern einkaufen fahren für Dinge, die in eine Handtasche passen“, hob ADFC-Geschäftsführer Sanden hervor. Je weniger SUV-Fahrzeuge unterwegs seien, desto mehr Platz hätten die Handwerker mit ihren Transportern. Man wolle nicht den Autoverkehr abschaffen, sondern nur erreichen, dass der Autoverkehr nicht die Stadt ruiniere.

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