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Lagunen von Grado und Lignano : Jenseits des Strandes

Gestrandet an der Adriaküste: Die Tücke des untiefen Wassers in der Lagune von Grado sollte man nicht unterschätzen. Bild: Plainpicture

Das stille und flache Wasser in den Lagunen von Grado und Lignano wirkt beruhigend – auf Eltern und Kinder. Von einem besonderen Zauber.

          4 Min.

          Das Wasser ist flach. So flach, dass man fast am Grund entlangschabt. Die rot-schwarzen Pfähle links und rechts markieren den Weg, aber wer auch nur ein paar Meter abweicht, wer einmal eine Kurve übersieht oder einen falschen Abzweig nimmt, der schlägt mit der Schraube gnadenlos auf und muss sich unter den mitleidigen Augen der vorbeibrausenden Ortskundigen erst mühsam wieder aus dem Schlamm befreien.

          Simon Strauß
          Redakteur im Feuilleton.

          Ein Nachmittag mit dem Motorboot in der Lagune von Grado. Tommy, der liebenswürdige Concierge aus dem Ferienressort, hat es uns ausgeliehen. Boote bis zu 40 PS darf man in Italien ohne Führerschein fahren – nicht immer zum eigenen Vorteil. Und doch überkommt einen das berauschende Gefühl eines erwachsenen Abenteuers, wenn man mit Sonnenbrille und Badehose am Steuerrad steht und sich die Gischt ins Gesicht spritzen lässt. Bis nach Venedig könnte man von hier aus weiterfahren – einen halben Tag und wahrscheinlich einige Aufsetzer würde das kosten. Nach Triest oder Marano geht es schneller. An den Pfählen hängen die Ortsschilder übereinander wie auf der Autobahn.

          Pool-Position für Kinder und Gummitiere: im Ferienresort „Tenuta Primero“
          Pool-Position für Kinder und Gummitiere: im Ferienresort „Tenuta Primero“ : Bild: Simon Strauss

          Das Boot gleitet an einem „tapo“ entlang, einem der zahllosen Inselchen, die kaum aus der Lagune hervortauchen. Rechts sind die Insel Pampagnola und einige im Sand feststeckende Boote zu sehen, die an die Tücke des untiefen Wassers erinnern. Bei der Isola Barbana legen wir an. Hohe Pinien, Ulmen und Zypressen säumen eine majestätische Wallfahrtskirche, die zu Ehren einer hier im sechsten Jahrhundert angeschwemmten Madonnenfigur errichtet wurde. Im Klostercafé gibt es selbst gemachten Amaro und Eis zu kaufen – am Brunnenboden vorne am Kai liegen Münzen aus aller Welt.

          Ruhe und Hingabe

          Es liegt eine friedliche Stimmung von Ruhe und Hingabe über der Lagune, die nichts zu tun hat mit dem, was man sonst mit dem Meer verbindet. Neugierig schwimmen ein paar Schwäne vorbei, träge summen die Mücken. Allerdings trägt das Areal auch düstere Erinnerungen mit sich: Claudio Magris, der bekannte Literaturwissenschaftler aus Triest, hat Anfang der 1990er Jahre einen schönen Essay über die poetische Kraft der Lagune von Grado geschrieben und dabei auch an ihre blutigen Spuren erinnert: „In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges wurden die Deutschen auf dem Rückzug nach Venedig von den Maschinengewehrsalven der englischen Flieger verfolgt; sie warfen sich ins Wasser in der Hoffnung, zwischen den Watt­inseln und Sümpfen zu Fuß zu entkommen; sie verfingen sich im Schlick, sie versanken im Schlamm, wurden einer nach dem anderen niedergemacht. Tagelang verstopften die zwischen Sandbänken und Kanälen treibenden Leichen diesen Lagunenteil.“

          Still, naturbelassen und etwas geheimnisvoll: Vom Resort aus starten die Ausflüge in die Lagune von Grado.
          Still, naturbelassen und etwas geheimnisvoll: Vom Resort aus starten die Ausflüge in die Lagune von Grado. : Bild: Simon Strauss

          Mit dieser Schilderung im Kopf springt man vorne, wo seichte Sandbänke die Lagune abschließen und der Blick aufs offene Meer geht, nicht mehr ganz so unbefangen ins Wasser.

          Es war einmal ein Campingplatz

          Auf dem Rückweg in die Marina hört man die Livemusik schon von Weitem. Jeden Freitagabend begleiten Andrea und Vesna hier den Sonnenuntergang mit ihren traurigen Liebesliedern. Dazu werden Cocktails mit frischen Früchten gereicht und ausgiebig Fotos gemacht. „Tenuta Primero“ heißt das großzügige, 120 Hektar umfassende Ferienresort an der Landzunge vor Grado. Sechzig Jahre lang war das ein beliebter Campingplatz. Aber seit ein paar Jahren haben die Besitzer – die Mailänder Hotelierfamilie Marzola – die Nutzung ihrer Liegenschaft radikal verändert. Dort, wo sich früher circa 3500 Gäste dicht an dicht drängten und gegenseitig die Stellplätze streitig machten, weht heute eine sanfte Brise durch einen ausladenden Park. Nur noch 500 Gäste pro Tag werden jetzt empfangen und statt auf Zeltplätzen in 135 Apartments, Cottages und Bungalows untergebracht – kleine bis mittelgroße Einheiten, nicht übertrieben luxuriös, aber gut ausgestattet. Der Großteil des Areals ist verkehrsberuhigt, am besten bewegt man sich mit Fahrrädern fort, die man gegen einen kleinen Tagessatz mieten kann.

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