FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Reisebuch :
Pilgern ohne Pilger

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Reisebuch

Pilgerrouten werden heute oft unter sehr profanen Gesichtspunkten ausgewählt, besonders im Blick auf die wandertouristische Attraktivität. Kein Wunder, dass sich der moderne Pilger zunehmend im Gebirge bewegt, wo die Wege abwechslungsreich und die Schattenseiten der modernen Zivilisation weit entfernt sind. Beides gilt für den „Cammino delle Pievi“ im nördlichen Friaul. Von der herben Schönheit dieses Alpenraums begeistert, hat Birgit Kaltenböck einen unprätentiösen Wanderführer geschrieben, in dem sie von ihren Erlebnissen und Begegnungen auf der 286 Kilometer langen Rundroute berichtet – einer Strecke, auf der man immerhin 11 700 Höhenmeter bewältigt. Ihre spirituelle Dimension erhalten die zwanzig Etappen nicht durch das weit entfernte Ziel, sondern durch zehn am Weg liegende Taufkirchen, zu denen die Bewohner der umliegenden Bergdörfer strömten, solange sie keine eigene Kirche besaßen. Die meisten dieser sehenswerten Gotteshäuser sind aus Wehrtürmen hervorgegangen, die im frühen Mittelalter an exponierten Stellen errichtet wurden – vermutlich auf heidnischen Kultplätzen. Die südlichen Karnischen Alpen, denen sich das Büchlein widmet, liegen abseits der klassischen Reise- und Wanderrouten. Wer sich auf den Weg macht, wird sich – anders als auf dem spanischen Jakobsweg – freuen, einen anderen Pilger zu treffen. fitz

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