FAZ+ (abopflichtiger Inhalt);Das maurische Erbe :
Das Gold des Südens

Von
Stefan Nink
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Strahlt über Granada: die Alhambra.
Strahlt über Granada: die Alhambra.Stefan Nink

Zwischen Alhambra, Flamenco und Paella: Andalusiens Tourismus profitiert bis heute von seinem maurischen Erbe.

Frühmorgens ist das flache Dach des Hotels ein wunderbarer Ort. Von den Bergen weht ein lauer Wind heran, er wellt die Sonnensegel über der Sitzecke und streicht über die Kissen. Die Sonne lugt vorsichtig über die Dächer der Stadt, als probe sie erst einmal für später, als wüsste sie noch nicht genau, wie sie ihre Strahlen in die schmalsten Gassen und engsten Winkel Granadas schicken soll. Es ist still hier oben. Das einzige Geräusch kommt von den Schwalben, die in wirren Zickzackmustern durch die Luft sausen, ihr Zwitschern wie winzige Messer, die unentwegt geschliffen werden. Jede Viertelstunde ertönt ein Glockenschlag von der nahen Kathedrale, und jedes Mal antwortet irgendwo ein Hund mit einem einmaligen kurzen Bellen, als bitte er um Ruhe. Die Hotelbesitzerin kommt mit Kaffee und Keksen, tritt an den Rand des Daches und schaut Richtung Osten, wo die Sonnenstrahlen die Mauern der Alhambra hinaufkriechen. Selbst ein halbes Jahrtausend nachdem seine maurischen Bewohner den Befestigungs- und Palastkomplex verließen, gibt es in Andalusien kein eindrucksvolleres Bauwerk. Bei Sonnenaufgang sowieso nicht.

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