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Forschungsmittel : Europas Hochschulraum im Schatten von Corona

  • -Aktualisiert am

Forschung und Lehre über Landesgrenzen: Einweihung des europäischen Campus Eucor in Straßburg Bild: Frederic MAIGROT/REA/laif

Wenn die EU es ernst meint, muss sie die Kürzung der Forschungsmittel eindämmen, fordern Verena Kremling und Hans-Jochen Schiewer von der Universität Freiburg.

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          Den Anstoß zur „European Universities Initiative“ hatte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron mit einer visionären Rede im September 2017 an der Sorbonne gegeben: „Ich schlage die Einrichtung Europäischer Universitäten vor, (...) mit Programmen, die für alle Studierenden Studienaufenthalte im Ausland und die Belegung von Kursen in mindestens zwei Sprachen vorsehen. Europäische Universitäten, die darüber hinaus Orte der Bildungsinnovation und Forschungsexzellenz sein werden. Wir sollten uns zum Ziel setzen, bis 2024 mindestens 20 solcher Universitäten zu schaffen“.

          Gesagt, getan. Knapp zwei Jahre später förderte die Europäische Union die ersten 17 Allianzen. Im Juli 2020 kamen 24 weitere Allianzen hinzu – im Schatten der Pandemie fast unbemerkt. Europa macht sich die Universitäten zu eigen, denn nun sind mehr als 280 Hochschulen in allen 27 Mitgliedstaaten verbunden, die vorerst mit über 250 Millionen Euro gefördert werden.

          Zeitgleich mit der Auswahl der neuen 24 Allianzen erhielten die 17 „Pioniere“ des Jahres 2019 jeweils zwei Millionen Euro zur Entwicklung eines gemeinsamen Forschungsprogramms. Allerdings werden diese Fördermillionen vorläufig in Pilotprojekte investiert, in denen getestet werden soll, welche Inhalte und Formate sich am besten für die Zusammenarbeit in europäischen Netzwerken eignen, welche Konzepte und Strategien die vielversprechendsten Innovationen hervorbringen. Nach dieser Pilotphase werden die Karten im EU-Wettbewerb neu gemischt, und es ist mit einem strengen Auswahlmechanismus zu rechnen.

          Gestaltungsanspruch für den europäischen Hochschulraum

          Der Brüsseler Anspruch ist hoch, denn es geht um nichts weniger als die „Universities of the Future“ – was auch immer das heißen mag. Auch wenn mit der Zukunft der Europäischen Universitätsinitiative noch viele Fragezeichen verbunden sind, eines ist gewiss: Mit der Erweiterung der zunächst auf Studium und Lehre begrenzten Förderung durch das „Erasmus+“-Programm um die Dimension Forschung macht die Europäische Kommission Ernst und signalisiert einen klaren Gestaltungsanspruch für den europäischen Hochschulraum. Sie möchte einen strukturell prägenden und dauerhaften Einfluss auf die Weiterentwicklung der europäischen Hochschullandschaft nehmen und dabei nicht nur Exzellenz fördern, sondern auch die Anschlussfähigkeit von Partnern in schwächeren Regionen. „No one must be left behind“, niemand darf zurückgelassen werden, lautete folglich auch einer der Leitgedanken, unter denen die Allianzen eingeladen wurden, gemeinsame Visionen, Ideen und Forschungsprojekte zu entwickeln.

          War der Bologna-Prozess der nuller Jahre noch völlig an den europäischen Wissenschaftsinstitutionen vorbeigegangen, unterstützt Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Weiterentwicklung der jahrhundertealten akademischen Tradition Europas jetzt aktiv. Durch die Zusammenführung der Zuständigkeiten für Bildung und Kultur (Förderung des Studentenaustauschs durch Erasmus+) sowie für Forschung und Innovation (Horizon 2020) unter der Verantwortung ein und derselben Kommissarin, Marija Gabriel, hat sie ein deutliches Zeichen gesetzt: Universitäten sind tragende Säulen der Europäischen Union und der europäischen Integration.

          Ihre Hauptaufgaben Forschung und Lehre gehören zusammen, müssen sich innovativ entwickeln können, sind zukunftsorientiert zu gestalten und sollten im unmittelbaren Austausch mit der Gesellschaft stehen. Entsprechend wird die Vollförderphase der Europäischen Universitätsinitiative Konzepte finanzieren, die dem gesamten „Knowledge Square“ von Forschung, Lehre, Innovation und Interaktion mit der Gesellschaft gerecht werden – so zumindest lautet die Ankündigung.

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