https://www.faz.net/-gyl-87pc8

Unterstützung für Flüchtlinge : Studentisches Hilfswerk

  • -Aktualisiert am

Gute Frage: Szene aus einem Deutschkurs der Studenteninitiative Crossborders an der Universität Mainz. Bild: dpa

Viele Unis und Studenten organisieren in diesen Tagen Unterstützung für Flüchtlinge - vom Buntstift bis zur Unterkunft in der Turnhalle. Aber es drohen Konflikte. Was, wenn die Studenten ihr Studium nicht wie geplant fortsetzen können?

          4 Min.

          Buntstifte, Bleistifte, ein Federmäppchen. Solche Dinge können die Welt bedeuten, sagt Medine Yilmaz, Studentin der Staatswissenschaften an der Universität Erfurt. Die 32-Jährige möchte Kindern eine Freude bereiten, die Monate auf der Straße gelebt und an der Hand ihrer Eltern Tausende Kilometer zurückgelegt haben. Die auf Booten unterwegs waren, in Autos von Schleppern oder zu Fuß, aus Syrien und Afrika vor Krieg und Tod geflohen sind.

          Im thüringischen Suhl haben einige dieser Flüchtlinge eine neue Unterkunft gefunden. Und mindestens 400 Flüchtlingskindern aus Suhl möchte Studentin Yilmaz zum islamischen Opferfest Ende September ein Federmäppchen schenken. „In den ersten drei Monaten nach ihrer Ankunft dürfen die Kinder noch nicht in die Schule gehen“, sagt sie. „Aber wenn es dann so weit ist, haben sie bereits die Grundausstattung.“

          Die Idee sei ganz spontan entstanden. „Ich habe einfach eine Aufforderung bei Facebook gepostet, schon kam das Ganze ins Rollen“, sagt die Erfurterin. Die Hilfsbereitschaft ist nämlich auch an Universitäten groß, Hochschulen nehmen eine besondere Rolle in der Flüchtlingshilfe ein. Denn hier finden engagierte junge Menschen staatliche Gebäude vor - also Unterbringungsmöglichkeiten.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Zudem gibt es meistens Kommilitonen, die die Sprachen der Flüchtlinge sprechen. „Wir können uns als tief in der Gesellschaft verankerte Institution nicht zu Zaungästen einer brisanten Entwicklung machen“, sagt zum Beispiel Jan-Hendrik Olbertz, der Präsident der Berliner Humboldt-Universität.

          Unbürokratische Hilfe

          Olbertz plant, Flüchtlingen zum kommenden Semester Gasthörer-Plätze zur Verfügung zu stellen. Anfallende Kosten möchte er erlassen, auch wenn er an der Prüfung des Einzelfalls festhält. Flüchtlinge als Gasthörer zu immatrikulieren sei „juristisch niedrigschwellig“, sagt Olbertz. Anders sehe das bei der Zulassung zu einem Bachelor- oder Master-Studium aus. „Damit müssen wir warten, bis Flüchtlingen Asyl gewährt wurde.“

          Weitere Universitäten in Deutschland planen ähnliche Gasthörer-Angebote. Sie wollen unbürokratisch helfen. Damit Flüchtlinge loslegen können, während Behörden noch über den Asylantrag bescheiden. Spricht man mit Studenten, mit Universitätsmitarbeitern und Rektoren, erfährt man, welche Anstrengungen sie seit Wochen unternehmen, um Flüchtlingen zu helfen. Und dass sie damit nach und nach an ihre Grenzen stoßen.

          Ganz praktische Probleme können dem Engagement im Weg stehen. Das Kursangebot im Bachelor erfolgt zum Beispiel weitgehend in deutscher Sprache, und das Einstiegsniveau in englischsprachigen Master-Kursen ohne Vorkenntnisse ist oft zu hoch für viele Gasthörer. Deshalb stellt etwa die Westfälische Wilhelms-Universität Münster Stipendien für Deutschsprachkurse bereit, damit Flüchtlinge die für ein Studium notwendigen Deutschkenntnisse erwerben können.

          Immer mehr Unis werden zum vorübergehenden Wohnort

          Immer mehr Universitäten werden auch zum neuen, temporären Wohnort von Flüchtlingen. Die Universität Siegen gehört zu den ersten Hochschulen in Deutschland, die ihre Turnhalle als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung gestellt hat. „Als staatlich geförderte Einrichtung habe ich uns in der Bringschuld gesehen“, sagt Rektor Holger Burckhart. Er bot der verantwortlichen Bezirksregierung in Arnsberg bereits Mitte Juni an, gemeinsam mit der Stadt, Uni-Mitarbeitern und Studenten zu helfen. Bis Ende Juni sollte ein Notaufnahmelager in der Turnhalle entstehen. Eine Unterkunft für bis zu 200 Flüchtlinge, die nur drei Tage dort verweilen, bevor sie in ein Erstaufnahmelager weiterreisen.

          „Doch dann überschlugen sich die Ereignisse“, erinnert sich Burckhart. „Mit Eintreffen der ersten Betroffenen erfuhren wir, dass wir nicht mehr als Notunterkunft, sondern als Erstaufnahmestelle fungieren sollten.“ In der Turnhalle sollten also Menschen nicht mehr nur für drei Tage unterkommen, sondern bis zu mehreren Monaten. Zurzeit denken Berliner Politiker sogar über ein halbes Jahr Aufenthaltszeit nach. Zudem kamen zu Beginn nicht 110 Menschen wie von offizieller Seite aus angekündigt, sondern 190. Tag und Nacht hätten daraufhin Studenten gemeinsam mit Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes und der Feuerwehr die Unterbringung umgebaut.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Demonstranten auf dem Puschkin-Platz in Moskau am Samstag

          Demonstrationen für Nawalnyj : „Putin ist ein Dieb!“

          Zehntausende Menschen protestieren am Samstag gegen den russischen Staatspräsidenten und für die Freilassung Alexej Nawalnyjs. Die Staatsmacht geht hart gegen die friedlichen Demonstranten vor.
          Fertigungsstrecke von Geely in der chinesischen 6-Millionen-Einwohner-Metropole Ningbo.

          Autos aus Fernost : Chinas Einheitsfront gegen VW und Tesla

          Wie von Peking gewünscht, knüpft Milliardär Li Shufu ein Netzwerk mit chinesischen Technologiegiganten, um das Auto der Zukunft zu bauen. Auch Daimler darf helfen beim Projekt Welteroberung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.