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Hitze in Portugal : Portugal kämpft gegen Waldbrände

Ein brennender Wald in Casais do Vento, einem Dorf im Kreis Alvaiazere. Bild: AFP

Eine Hitzewelle überrollt die Iberische Halbinsel. In Portugal sind seit Freitag mehr als 300 Feuer ausgebrochen. Tausende Hektar Vegetation sind bereits verbrannt. Und laut Wettervorhersage könnte die große Hitze noch tagelang andauern.

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          Steigende Temperaturen lassen die Gefahr neuer Waldbrände in Portugal wachsen. Schon seit dem Wochenende überrollt eine Hitzewelle die Iberische Halbinsel. In den Regionen von Lissabon, dem Tejotal und dem Alentejo steigen die Temperaturen auf bis zu 46 Grad. Auch für den Süden Spaniens werden solche Werte vorhergesagt. Laut einigen Wettermodellen könnte die große Hitze noch zehn Tage andauern. In Spanien wäre es dann eine der am längsten andauernden Hitzewellen seit mehr als 40 Jahren.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          In Portugal wurden seit dem vergangenen Freitag mehr als 300 Waldbrände registriert. Mehr als 20 Personen wurden leicht verletzt, Tausende Hektar Vegetation verbrannten. Die Brände in Ansião, Ourém und Pombal hat die Feuerwehr inzwischen unter Kontrolle gebracht. „In den nächsten Tagen werden wir Bedingungen mit maximalem Risiko erleben. Die kleinste Unachtsamkeit kann einen Brand von beträchtlichem Ausmaß auslösen“, mahnte der portugiesische Ministerpräsident António Costa. Das portugiesische Institut für Meer und Atmosphäre (IPMA) spricht von einer „meteorologischen Extremsituation“ und warnt vor maximaler und sehr hoher Brandgefahr auf fast dem gesamten portugiesischen Festland, besonders im Norden und im Landesinneren sowie an der Algarve. Das Risiko dürfte laut der Wettervorhersage noch steigen.

          Hohe Temperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit und große Trockenheit

          Die portugiesische Regierung hat deshalb die dritthöchste Stufe des Notstands ausgerufen, die mindestens bis Freitag in Kraft bleiben soll. Hunderte Feuerwehr­leute sind im Dauereinsatz. Die Europäische Union will Löschflugzeuge schicken, aus Spanien sind schon zwei Flugzeuge an Ort und Stelle. Portugal setzt weitere 60 Flugzeuge ein. Die Stadt­verwaltung von Lissabon sagte alle Veranstaltungen in den Parks der Stadt ab. Eine Heraus­forderung für die Feuerwehr bedeutet die große Zahl der Brände, die über weite Teile des Landes verteilt sind. Neben den hohen Temperaturen und der niedrigen Luftfeuchtigkeit fördert die große Trockenheit die Ausbreitung des Feuers. In Portugal beobachtet man die schlimmste Dürre der vergangenen Jahrzehnte; sie betrifft 97  Prozent des Landes. Fachleute führen sie auf den Klimawandel zurück. Im Mai wurden die höchsten Temperaturen seit 1931 in diesem Monat gemessen.

          Experten kritisieren, dass in den vergangenen Jahren zu wenig für den Brandschutz getan wurde. „Wir haben schon wieder die Bedingungen dafür, dass sich wiederholt, was 2017 bei den Bränden passiert ist“, sagte António Bento Gonçalves von der Universität Minho der ­Zeitung „Diário de Notícias“. Im Juni und im Herbst 2017 waren bei Großbränden im Landesinneren insgesamt mehr als 100 Personen ums Leben gekommen.

          Portugal war bis vor wenigen Tagen in diesem Jahr von größeren Waldbränden – wie sie im Juni in Spanien wüteten – verschont geblieben. Nach Angaben des Europäischen Waldbrandinformationssystems (EFFIS) vernichteten die Brände dort bis Juni dieses Jahres fast so viele Hektar wie im gesamten Jahr 2021. Auch in Spanien begünstigen die Dürre und anhaltende Winde weiterhin den Ausbruch von Bränden. Ein heftiges Feuer wütete am Dienstag in der Gemeinde Las Hurdes im Westen des Landes unweit der Grenze zu Portugal. Rund 400 Personen haben auf Behördenanordnung ihre von den Flammen gefährdeten Häuser verlassen müssen, berichtete am Dienstag der staatliche Fernsehsender RTVE.

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